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Es gibt eine bestimmte Art von Hexe, die im November aufatmet. Die um 16:15 Uhr die erste Kerze anzündet und nicht darüber nachdenkt, ob das schon zu früh ist. Die den Tee ans Fenster trägt, während draußen die Straßenlampen angehen, und spürt, wie sich in ihr etwas setzt.
Wenn dir das bekannt vorkommt, steckt in dir eine Winterhexe.
Eine Winterhexe richtet ihre Praxis nach der dunklen Jahreszeit aus. Rückzug, Vorräte, Feuerschein und lange Nächte sind ihr Material, nicht ihr Hindernis. Du musst dafür kein bestimmtes Sternzeichen haben und keine Kälte lieben. Es reicht, dass dir die Stille im Winter mehr gibt, als sie dir nimmt.

Was Winterhexen tatsächlich tun
Sie machen weniger, und das ist Absicht. Eine Winterhexe nimmt den Winter als Zeit, in der der Kalender leiser werden darf. Sie sagt Termine ab, die sie im Sommer zugesagt hätte. Sie kocht Suppe in großen Töpfen und friert einen Teil davon ein, für die Tage, an denen sie nicht kochen will.
Viele arbeiten mit Kerzen, Räucherwerk und dem Dämmerlicht. Andere schreiben abends lange ins Notizbuch, räumen Schränke aus oder gehen im Dunkeln spazieren, mit Reflektor und bekanntem Weg. Manche backen, nähen oder stricken (ja, das zählt als Magie, wenn du es mit Absicht tust). Es gibt keine einzige richtige Art, Winterhexe zu sein.
Was alle verbindet, ist die Haltung: Der Winter bekommt Raum. Er wird nicht übersprungen, nicht mit Lichterketten und Terminen zugestellt, sondern genutzt. Das Dunkle ist dabei kein Gegner. Es ist der Teil des Jahres, in dem sich Dinge sortieren.
Woran du erkennst, dass du eine Winterhexe bist
Es gibt keinen Test, aber es gibt Hinweise. Du freust dich auf den ersten Abend, an dem du um fünf Uhr die Vorhänge zuziehen darfst. Du hast im Oktober schon eine Decke bereitgelegt. Oder du kochst im Winter gern, und das Haus riecht nach Zimt oder Suppe, bevor jemand zu Besuch kommt.
Oder du erkennst dich im Gegenteil wieder: Dir wird der Sommer zu laut. Im Juli ist dir überall zu viel los, und der November fühlt sich an wie eine Entlastung. Das ist kein Defekt, sondern ein Rhythmus. Manche Menschen arbeiten besser im Dunkeln, nach innen gekehrt, mit langen Abenden und kleinem Radius.
Und du darfst auch eine Winterhexe sein, die den Winter manchmal schwer findet. Beides gehört zusammen. Die Praxis nimmt dir die Dunkelheit nicht ab, sie gibt dir etwas in die Hand, womit du sie gestalten kannst.
Die vier Elemente im Winter
Wenn du schon mit den Elementen arbeitest, bekommen sie im Winter eine eigene Farbe.
Feuer ist das Element, das die Winterhexe am meisten braucht: Kerze, Kamin, Herdflamme, die Wärme, die eine Wohnung bewohnbar macht. Erde zeigt sich als Frost, als Moos, als der Geruch von feuchtem Laub und als der Boden, unter dem die Samen warten. Wasser ist Schnee, Eis und Nebel, aber auch der heiße Tee in deinen Händen. Luft ist der klare, kalte Atem draußen und das Lüften am Morgen, das die Wohnung für den Tag frisch macht.
Eine kleine Übung: Stell vier Gegenstände auf dein Fensterbrett, einen pro Element (Kerze, Stein, Schale mit Wasser, Feder). Schau jeden Abend kurz hin und frag dich, welches Element dir heute am meisten gefehlt hat. Zum Gestalten eines solchen Elemente-Altars findest du Ideen in Altar gestalten: Die 5 Elemente.

Eine Beispielwoche für Winterhexen
Wie sieht das im Alltag aus? Keine Sorge, du brauchst keine zwei Stunden täglich. Das hier ist ein Vorschlag, den du verschieben darfst.
- Montag: Dämmerungskerze, fünf Minuten nach der Arbeit.
- Mittwoch: Suppe kochen und eine Portion für später einfrieren, mit der Absicht, dir an einem schweren Tag etwas Gutes zu tun.
- Freitag: 20 Minuten Dunkelspaziergang oder Fensterblick mit Tee.
- Sonntag: Fünf Zeilen ins Notizbuch: Was war diese Woche warm? Was war zu viel? Was brauche ich nächste Woche weniger?
Zusätzlich ein Mal im Monat eines der größeren Rituale, am besten zum Neumond oder zum Vollmond. Eine Woche mit vier kleinen Handlungen ist mehr als ein perfekter Plan, den du nach drei Tagen aufgibst.
Gewürztee als Ritual: Eine Mischung für lange Abende
Winterhexen lieben Rituale mit Händen und Nase. Dieses hier dauert zehn Minuten und braucht nur Dinge aus der Küche.
Koch in einem kleinen Topf eine Tasse Wasser mit einer Zimtstange, zwei Nelken, einer Scheibe Ingwer und etwas Orangenschale auf. Lass alles zehn Minuten ziehen und gieß den Tee durch ein Sieb. Gib einen Löffel Honig dazu, wenn du magst.
Halte die Tasse in beiden Händen, bevor du trinkst, und denk an einen Wunsch für den Abend, zum Beispiel „Ich möchte heute Ruhe haben». Atme den Duft ein und trink in kleinen Schlucken. Wichtig: Bei Schwangerschaft, Medikamenteneinnahme oder Allergien sprichst du Gewürzmischungen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Die dunkelste Zeit im Jahreskreis: von Samhain bis Imbolc
Die Winterhexe bewegt sich zwischen vier Fixpunkten im Jahreskreis. Du musst keinen davon feiern, aber es hilft, sie zu kennen.
Samhain am 31. Oktober ist der Übergang, an dem das Licht merklich schwindet und viele Hexen ihre Verstorbenen ehren. Yule, um den 21. Dezember, ist die Wintersonnenwende mit der längsten Nacht. Die Rauhnächte, vom 25. Dezember bis zum 6. Januar nach der gängigen Zählung, gelten als Zeit zwischen den Jahren. Imbolc am 1. oder 2. Februar kündigt das erste leise Wachsen des Lichts an.
Zum Weiterlesen: Samhain: Bedeutung, Rituale und Bräuche, Yule: Die Wintersonnenwende feiern und Rauhnächte: Bedeutung und Rituale. Einen Gesamtüberblick bekommst du in Wheel of the Year: Die 8 Sabbate.
Wie dunkel es wird, hängt vom Wohnort ab. In Norddeutschland geht die Sonne um den 21. Dezember kurz vor 16 Uhr unter, in Süddeutschland etwas später (Zeiten ungefähr, die genauen Werte findest du im Kalender deiner Wetter-App). Die Winterhexe schaut einmal nach und plant ihren Abend dann nach diesem Datum.
Eine Annahme, die dich vom Winter fernhält
Du hast sicher schon gehört, dass Winter Stillstand bedeutet und dass man sich im Januar zusammenreißen und endlich wieder produktiv sein soll. Das ist ein verständlicher Gedanke, vor allem nach den Feiertagen. Aber eine Regel der Natur ist er nicht.
Viele heimische Pflanzen brauchen Frost, um zu keimen. Man nennt sie Kaltkeimer, und ohne den Kältereiz bleibt der Samen zu. Unter der Erde passiert im Winter also eine Menge, nur eben leise. Genauso darfst du in dieser Zeit sortieren, planen und ruhen, ohne dich zu fragen, warum von außen nichts voranzugehen scheint. (Müdigkeit im Dezember ist kein Charakterfehler, sondern ein Jahreszeiteneffekt.)
Mistel ist als Dekoration beliebt, aber giftig. Leg sie nicht an Orte, an die Kinder oder Haustiere kommen, und verwende sie nie für Tee oder Räuchermischungen.

Sechs Rituale für die dunkelste Zeit
Du brauchst nicht alle sechs. Such dir eines aus, das sich nach einem guten Abend anfühlt, und fang damit an.
1. Die Dämmerungskerze
Sobald es draußen dunkel wird, zündest du eine Kerze an. Das ist alles. Fünf Minuten sitzen, ohne Handy, ohne Aufgabe, nur Kerze und Tee. Sag am Ende laut einen Satz, der dich für den Abend erlaubt: „Heute reicht es.»
Variante, wenn du im Büro bist: ein Teelicht auf dem Schreibtisch, sobald es draußen dämmert, und fünf Atemzüge davor.
2. Die Vorratsliste
Nimm ein Blatt Papier und teil es in zwei Spalten. Links steht, was du an Vorräten im Haus hast, rechts, was dich durch den Winter trägt: ein Mensch, ein Lied, ein Spaziergang, ein Gericht, ein Hobby. Schreib mindestens fünf Dinge in jede Spalte.
Häng die Liste an den Kühlschrank oder klebe sie in dein Notizbuch. Wenn ein Tag schwer wird, liest du die rechte Spalte durch und suchst dir einen Punkt für heute aus.
3. Der Dunkelspaziergang
Geh in der Dämmerung 20 Minuten raus, auf einem Weg, den du kennst. Zieh Reflektoren an und lass das Handylicht aus, solange der Weg sicher ist. Achte auf Geräusche, Gerüche, Wärme der Häuser, Kälte im Gesicht.
Wenn dir das nicht sicher genug ist, nimm eine Freundin mit oder geh am späten Nachmittag. Der Zweck ist, die Dunkelheit wieder als Ort zu erleben, nicht als Gefahr.
4. Der Brief an den Frühling
Schreib einen Brief an dich selbst, den du erst an Imbolc (1. oder 2. Februar) öffnest. Darin steht, was du dir im Winter wünschst, was du aufräumen willst und was du im Frühling anfangen möchtest. Schreib ehrlich, auch Kleinigkeiten dürfen rein.
Steck den Brief in einen Umschlag und lege ihn an einen Ort, an dem du ihn nicht vergisst. Im Februar liest du ihn mit einer Tasse Tee und schaust, was eingetroffen ist.
5. Räuchern mit Wacholder oder Tannenharz
Du brauchst eine feuerfeste Schale, eine Kohle oder ein Räucherstövchen und ein paar Wacholderbeeren oder ein Stück Tannenharz. Lüfte vorher kurz, lass ein Fenster einen Spalt offen und räuchere nie unbeaufsichtigt.
Geh mit dem Rauch durch die Wohnung, sprich leise aus, was du aus diesem Raum verabschieden möchtest (eine Stimmung, einen Streit, den Staub des Herbstes). Danach öffnest du das Fenster ganz. Eine ausführliche Anleitung findest du in Räuchern: So gehst du Schritt für Schritt vor. Meine Empfehlung für den Einstieg: eine solide Räucherschale mit Sandfüllung und Kohletabletten, die lange durchhalten. zur Räucherschale und Kohle*
6. Schattenarbeit im Winter-Neumond
Der Neumond im Winter ist die dunkelste Stelle im Mondmonat in der dunkelsten Zeit des Jahres. Für viele Hexen ist das der passende Moment, ehrlich auf das zu schauen, was sie nicht gern ansehen. Nimm dir 30 Minuten, eine Kerze und dein Notizbuch.
Schreib drei Fragen auf, jede auf eine eigene Seite: Was habe ich dieses Jahr vermieden? Was will ich vor niemandem zugeben? Was würde ich tun, wenn niemand zusieht? Beantworte sie in Ruhe und lies nichts laut vor. Fertige Impulse findest du in Schattenarbeit: Journaling-Prompts.
Journaling-Impulse für die Winterzeit
- Was darf in diesem Winter weniger werden?
- Welche Gewohnheit trägt mich gerade, und welche kostet mich nur Kraft?
- Wo habe ich diesen Herbst Ja gesagt, obwohl ich Nein meinte?
- Was möchte ich im Frühling anfangen, und was braucht dafür jetzt Vorarbeit?
- Welcher Ort in meiner Wohnung fühlt sich im Winter am besten an?
- Wem möchte ich schreiben oder anrufen, bevor das Jahr zu Ende geht?
- Was ist das Warme in meinem Winter, das ich schon habe?
Affirmationen
- „Ich darf im Winter langsamer sein.»
- „Die Dunkelheit ist ein Ort, an dem ich mich auskenne.»
- „Ich muss im Januar nicht fertig sein, um anzufangen.»
- „Ich nehme mir die Pausen, die mir zustehen.»
- „Was jetzt ruht, wächst im Frühling weiter.»
Ein Winteraltar
Du brauchst dafür keinen großen Tisch. Ein Fensterbrett, ein Regalbrett oder die Ecke eines Sideboards reichen.
- Eine oder mehrere Kerzen, am besten in einem Halter, der Wachs auffängt. Ich liebe dafür besonders Stumpenkerzen, die lange brennen und tief stehen. zur Stumpenkerzen* und Halter*
- Ein Tannenzweig oder ein Gefäß mit Zapfen, Moos oder Rinde.
- Ein Stein: Obsidian oder Bergkristall, was du hast.
- Dein Notizbuch, aufgeschlagen auf der Seite, an der du gerade arbeitest. Besonders schön ist ein Journal, das du nur für die Winterzeit führst. zum Notizbuch*
- Ein Foto oder Gegenstand von einem Menschen, an den du gern denkst.
Wenn du Mondphasen verfolgst, gehört dein Mondtagebuch dazu. Wie du eines anlegst, steht in Mondtagebuch anlegen.
Ein Hinweis zu Winterdunkelheit und Gesundheit
Winterhexen-Praxis ist keine Behandlung. Manche Menschen werden im Winter spürbar niedergeschlagen, schlafen sehr viel mehr, verlieren die Lust an Dingen, die ihnen sonst gefallen, oder merken, dass es über Wochen nicht besser wird. Das ist ein Grund, mit einer Hausärztin oder einem Hausarzt zu sprechen. Es ist kein Zeichen, dass du etwas falsch machst.
Tageslicht hilft den meisten Menschen, auch an grauen Tagen. Geh mittags eine Viertelstunde raus, auch bei Wolken. Kerzen sind schön am Abend, ersetzen aber kein Tageslicht am Morgen.
Bereit, tiefer zu gehen?
Wenn dich die dunkle Jahreszeit anzieht, passen diese Artikel zu dir. In Welche Art von Hexe bist du? findest du weitere Hexentypen, falls du dich in mehreren wiedererkennst. In Yule: Die Wintersonnenwende feiern steht, wie du die längste Nacht des Jahres gestaltest. Und in Rauhnächte: Bedeutung und Rituale geht es um die zwölf Nächte zwischen den Jahren.
Zum Mitnehmen gibt es im Newsletter jeden Neumond und Vollmond eine Frage, die du in dein Tagebuch schreiben kannst. Dort bekommst du auch das kostenlose Grimoire-Freebie.
Du musst keine Winterhexe sein, um diese Zeit auf deine Weise zu gestalten. Ein Abend mit einer Kerze und einer Tasse Tee ist schon Praxis. Welches Ritual probierst du als erstes aus, und was brauchst du dafür? Schreib es mir gern in die Kommentare, ich lese jede Antwort.









