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Der neue Kalender liegt noch in Folie auf dem Tisch. Du schneidest ihn auf, schlägst ihn beim Januar auf und siehst ein Raster aus leeren Kästchen. Es riecht nach Papier und nach dem Kaffee, der neben dir kalt wird. In diesem Moment liegt alles offen, und du darfst entscheiden, wie dieses Jahr klingen soll.
Ein hexisches Jahr zu planen bedeutet, deinen Kalender mit drei Rhythmen zu verbinden, die älter sind als jeder Terminplaner: dem Jahreskreis, den Tierkreiszeiten und den Mondphasen. Das klingt nach viel Arbeit, ist aber eine Sache von einem Abend und einem Notizbuch. Danach weißt du, welcher Tag wofür gedacht ist.
Dieser Leitfaden führt dich in fünf Schritten durch die Planung. Alle Termine gelten für das Jahr 2027, die Methode funktioniert in jedem Jahr. Wenn du lieber mit einem fertigen Rahmen arbeitest, liegt im Artikel Mondkalender 2027 eine Übersicht aller Mondtermine.

Warum drei Rhythmen und nicht einer
Jeder dieser Rhythmen hat ein eigenes Tempo, und zusammen ergeben sie eine Art Landkarte für dein Jahr.
Der Jahreskreis ist der große Rhythmus. Er besteht aus acht Festen, die etwa alle sechs Wochen den Wechsel der Jahreszeiten markieren. Sie erzählen von Licht und Dunkelheit, von Saat, Ernte und Ruhe.
Die Tierkreiszeiten sind der mittlere Rhythmus. Jeden Monat wechselt die Sonne in ein neues Zeichen, und jede dieser Zeiten hat ein eigenes Thema. Sie geben deinen Wochen eine Färbung.
Die Mondphasen sind der kleine Rhythmus. Alle vier Wochen durchläuft der Mond seinen Weg von dunkel zu hell und wieder zurück. Er gibt dir einen Takt für Anfang, Aufbau, Höhepunkt und Rückblick.
Es heißt oft, eine ernsthafte Hexe feiere alle acht Sabbate und folge jedem Mondschritt. Das ist ein schönes Ideal, aber es ist keine Regel. Du brauchst nicht jedes Fest groß zu begehen und nicht jede Mondphase zu verfolgen. Zwei oder drei Fixpunkte im Jahr, die dir wirklich etwas bedeuten, tragen weiter als ein Kalender voller halber Vorsätze.
Schritt 1: Ein Planungsritual für dein Jahr
Bevor du Termine einträgst, nimm dir einen Abend für die Planung selbst. Das darf ein vollständiges Ritual sein oder eine ruhige Journaling-Sitzung. Wichtig ist nur, dass du einen Ort schaffst, an dem du in Ruhe nachdenken kannst.
Ideen für dein Planungsritual
- Reinige deinen Raum mit Räucherwerk, einer Kerze oder einem Klang, etwa einer Klangschale oder einer Glocke.
- Zünde eine Kerze an und sprich eine Intention für das kommende Jahr aus.
- Zieh ein Tarot- oder Orakelkarten-Reading, um zu sehen, welche Themen das Jahr mitbringt. Wenn du Tarot noch lernst, hilft dir der Artikel Tarot lernen für Anfängerinnen.
- Wähle ein Jahreswort, ein Symbol oder ein Leitbild für das Jahr, zum Beispiel ein Tier, eine Göttin oder ein Element.
- Schreib deine spirituellen Ziele auf. Möchtest du mehr Jahreskreisfeste feiern, deine Mondpraxis vertiefen oder deiner Intuition mehr Platz geben?
Ein Ablauf für den Abend
Dieser Ablauf dauert etwa dreißig Minuten.
- Räum einen kleinen Tisch frei und stell Kerze, Notizbuch und Kalender darauf.
- Atme ein paar Mal langsam aus, länger als du einatmest.
- Zünde die Kerze an und schreib den Satz auf: „Ich wünsche mir von diesem Jahr…»
- Beantworte ihn in drei Zügen, ohne zu überlegen.
- Zieh eine Karte als Leitgedanken für das Jahr, falls du Karten hast.
- Wähle dein Jahreswort. Es darf ein einziges Wort sein.
- Lösche die Kerze und leg das Notizbuch griffbereit.
Ein Notizbuch, das dich durch das Jahr trägt, soll dir gefallen. Ich liebe dafür besonders ein Notizbuch mit Gummiband und Lesebändchen: zum Notizbuch mit Gummiband und festem Einband*
Schritt 2: Die Jahreskreisfeste einplanen

Der Jahreskreis bietet acht Orientierungspunkte. Hier findest du alle Daten für 2027 und ein paar Ideen, wie du sie nutzen kannst. Eine ausführliche Einführung steht im Artikel zum Wheel of the Year.
🌿 Imbolc (1. und 2. Februar): Die Rückkehr des Lichts
- Setz Absichten für Neuanfang und Wachstum.
- Plane ein Kerzenritual für Wärme und Inspiration.
- Räum dein Zuhause auf, durch einen Frühjahrsputz oder eine Räucherung.
🌸 Ostara (20. und 21. März): Frühlings-Tagundnachtgleiche
- Schmück deinen Altar mit Frühlingsblumen und hellen Farben.
- Plane ein Ritual für das Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit.
- Starte ein Projekt oder säe Samen, ganz real und ganz symbolisch.
🔥 Beltane (30. April und 1. Mai): Fest des Feuers und der Leidenschaft
- Feiere Liebe, Kreativität und Sinnlichkeit.
- Plane ein Feuer- oder Kerzenritual.
- Arbeite mit den Themen Wachstum und Fruchtbarkeit.
☀️ Litha (21. Juni): Sommersonnenwende
- Schau auf dein Wachstum und deine Erfolge der ersten Jahreshälfte.
- Plane ein Sonnenritual, um dich lebendig zu fühlen.
- Arbeite mit Sonne, Kräutern und Blumen. Der Artikel zur Sommersonnenwende Litha hilft dir dabei.
🌾 Lughnasadh oder Lammas (1. August): Die erste Ernte
- Drück Dankbarkeit für das aus, was du bereits geschaffen hast.
- Back Brot oder arbeite mit Getreide als Ritualhandlung.
- Schau, was in deinem Leben gerade Früchte trägt. Mehr Ideen im Artikel zu Lughnasadh.
🍂 Mabon (22. September): Herbst-Tagundnachtgleiche
- Bring Gleichgewicht in dein Leben durch Dankes- und Abschiedsrituale.
- Plane ein saisonales Erntemahl.
- Wende dich der Schattenarbeit und einer tiefen Selbstbefragung zu. Der Artikel Mabon Ritual zeigt dir, wie.
🎃 Samhain (31. Oktober): Das Hexenneujahr
- Plane Rituale zur Ehrung deiner Ahnen.
- Schau auf das vergangene Jahr zurück.
- Setz neue spirituelle Absichten.
- Nutz Wahrsagung und Divination in der Zeit des dünnen Schleiers. Mehr dazu im Artikel zu Samhain.
❄️ Yule (21. Dezember): Wintersonnenwende
- Feiere die Rückkehr des Lichts.
- Plane ein Kerzenritual für Hoffnung und Neuanfang.
- Gestalte eine gemütliche Winterpraxis mit Rückblick und Magie. Der Artikel zu Yule führt dich durch diese Nacht.
Das Fest und der astronomische Zeitpunkt liegen manchmal einen Tag auseinander. 2027 steht Mabon am 22. September im Kalender, der Wechsel der Sonne ins Zeichen Waage geschieht aber erst am 23. September. Bei Yule ist es ähnlich: Das Fest liegt am 21. Dezember, die Sonne tritt am 22. Dezember in den Steinbock. Du kannst dich nach dem Fest oder nach dem astronomischen Zeitpunkt richten. Beides ist stimmig.
Planungstipp
Markiere alle acht Feste in deinem Kalender. Entscheide dann bei jedem einzelnen: Feiere ich dieses Fest mit einem größeren Ritual, oder ehre ich es auf kleine Weise, mit einer Kerze und einem Satz? Beides zählt.

Schritt 3: Mit den Tierkreiszeiten arbeiten
Jeden Monat wandert die Sonne in ein neues Zeichen. Damit wechselt auch die Stimmung der Jahreszeit. Wenn du mit diesen Übergängen arbeitest, bekommt jeder Monat ein eigenes Thema. Die Zeiten für 2027:
♒ Wassermann (20. Januar bis 18. Februar)
Neues denken, Gemeinschaft suchen, spirituell weiter werden.
♓ Fische (18. Februar bis 20. März)
Intuition, Träume, mystische Arbeit.
♈ Widder (20. März bis 20. April)
Mutige Anfänge, Initiative, Aktivwerden.
♉ Stier (20. April bis 21. Mai)
Erdung, Selbstfürsorge, Beständigkeit.
♊ Zwillinge (21. Mai bis 21. Juni)
Lernen, Kommunikation, Beweglichkeit.
♋ Krebs (21. Juni bis 23. Juli)
Gefühle ordnen, Rituale für Zuhause, innere Geborgenheit.
♌ Löwe (23. Juli bis 23. August)
Selbstvertrauen, Kreativität, Selbstausdruck.
♍ Jungfrau (23. August bis 23. September)
Ordnung, Reinigung, Verfeinerung deiner Praxis.
♎ Waage (23. September bis 23. Oktober)
Beziehungen, Harmonie, Schönheit.
♏ Skorpion (23. Oktober bis 22. November)
Wandlung, Schattenarbeit, Tiefe.
♐ Schütze (22. November bis 22. Dezember)
Horizonte erweitern, Fernweh, Philosophie.
♑ Steinbock (22. Dezember bis etwa 20. Januar)
Disziplin, langfristige Ziele, Struktur. Zu Beginn des Jahres 2027 steht noch der Steinbock bis zum 20. Januar.
Die Zeiten kannst du in deinem Kalender als Farbbänder oder als kleine Zeichen eintragen. Für einzelne Zeichen gibt es ausführliche Artikel, zum Beispiel zur Schütze Saison und zur Steinbock Saison.
Planungstipp
Gestalte jeden Monat einen kleinen Altar passend zur aktuellen Tierkreiszeit. Oder wähle ein Ritual, das zum Thema des Zeichens passt. Ein Stein und eine Farbe genügen.
Schritt 4: Mit den Mondzyklen arbeiten
Die Mondphasen bringen eine feine Ebene in deine Planung. Du kannst deine Rituale nach den vier Phasen ausrichten. Die Bedeutung jeder Phase steht ausführlich im Artikel Mondphasen Bedeutung.
🌑 Neumond: neue Absichten setzen, Projekte beginnen. Wie das geht, steht im Artikel zum Neumond Ritual.
🌓 Zunehmender Mond: aktiv werden, Schwung aufbauen, Schritte gehen.
🌕 Vollmond: Erfolge feiern, Ergebnisse würdigen, Rituale für Dankbarkeit und Abschluss. Eine Anleitung findest du im Artikel zum Vollmond Ritual.
🌗 Abnehmender Mond: zurückblicken, aussortieren, Schattenarbeit.
Dazu trägt jeder Vollmond einen eigenen Namen, den du für deine Planung nutzen kannst. Nach einer verbreiteten Tradition heißt der Januar-Vollmond Wolfsmond, der Vollmond nächst der Herbst-Tagundnachtgleiche Erntemond und der Dezember-Vollmond Kalter Mond. Die Namen schwanken je nach Quelle, such dir die aus, die dir gefallen.
Besondere Mondtermine 2027
- Am 2. August und am 31. August steht ein Neumond am Himmel. Der August hat in diesem Jahr zwei Neumonde.
- Es gibt 2027 fünf Finsternisse: eine Sonnenfinsternis am 6. Februar, eine Mondfinsternis am 21. Februar, eine Mondfinsternis am 18. Juli, eine Sonnenfinsternis am 2. August und eine Mondfinsternis am 17. August. Viele Hexen halten an diesen Tagen inne und beginnen nichts Neues. Wenn dir das nichts sagt, darfst du es überspringen.
- Der erste Neumond des Jahres fällt auf den 7. Januar (Steinbock), der erste Vollmond auf den 22. Januar (Löwe).
Planungstipp
Führe ein Mondtagebuch und beobachte, wie die Phasen auf dich wirken. Wie du eines anlegst, steht im Artikel Mondtagebuch anlegen.

Schritt 5: Deinen Hexenplaner gestalten
Wenn du einen Überblick über Jahreskreisfeste, Tierkreiszeiten und Mondphasen hast, führst du alles in einem Planer zusammen. Das ist der Teil, der aus Wissen einen Alltag macht.
Was dein Hexenplaner enthalten kann
- Jahreskreisfeste und saisonale Rituale
- Mondphasen und Absichten
- Tierkreiszeiten und spirituelle Monatsthemen
- Tarot-Legungen und Reflexionen
- Magische Ziele und ein Blick auf deinen Fortschritt
Wo du ihn führst
- In einem Grimoire. Dort kannst du alles mit Skizzen, Tabellen und Notizen mischen. Wie du eines anlegst, steht im Artikel Grimoire anlegen.
- In einem Bullet Journal. Es ist schlank und lässt sich schnell anpassen. Mehr dazu im Artikel Hexen Bullet Journal.
- In einem digitalen Planer. Er ist handlich, hat aber wenig Platz zum Zeichnen und Schreiben von Hand.
Such dir die Form aus, die dir gefällt und die du im Februar noch benutzt. Das ist wichtiger als die schönste Variante, die im Regal landet.
Wenn du zusätzlich einen festen Halt für Mondtermine suchst, hilft dir ein Wandkalender mit Mondphasen: Mondkalender 2027 als Wandkalender*
Ein Beispiel: Wie der März 2027 in deinem Plan aussehen kann
Damit du siehst, wie alles zusammenspielt, hier ein Monat im Überblick. Du kannst ihn als Vorlage nutzen.
- 8. März, 10:29 Uhr: Neumond in den Fischen. Hier setzt du eine stille Absicht, die zur Intuition und zum Träumen passt.
- 15. März: Erstes Viertel in den Zwillingen. Du schaust, ob deine Absicht greifbar wird, und gehst einen kleinen Schritt.
- 20. März, 21:25 Uhr: Die Sonne tritt in den Widder, Frühlings-Tagundnachtgleiche und Ostara. Zeit für einen frischen Altar mit Blumen und hellen Farben.
- 22. März, 11:43 Uhr: Vollmond in der Waage. Du würdigst, was sich in den letzten zwei Wochen gezeigt hat, und schreibst es auf.
- 29. März: Letztes Viertel im Steinbock. Du räumst auf und prüfst, was bleibt.
In dieser Folge steckt alles, was dein Jahr braucht: ein Anfang, ein Aufbau, ein Fest, ein Höhepunkt und ein Rückblick. Der Monat trägt sich selbst, weil du nur einem Faden folgen musst.
Wenn du für diese Notizen ein schönes Schreibgerät suchst, mein Tipp: Füller für Journal und Planer*
Wie du den Plan leicht hältst
Ein Plan, der zu viel von dir will, endet im Schrank. Diese Gedanken helfen dir, ihn lebendig zu halten.
- Beginne mit einem einzigen Rhythmus, zum Beispiel dem Mond, und nimm die anderen später dazu.
- Wähle pro Monat nur ein Ritual oder eine Praxis. Dreißig Minuten reichen.
- Gib dir Luft. Lass einzelne Wochen leer, damit Spontanes Platz hat.
- Schau am Monatsende zurück: Was war leicht, was war schwer, was möchte ich im nächsten Monat anders machen?
- Wenn du magst, verbinde den Plan mit einem Lernthema pro Monat. Wie das geht, steht im Artikel Hexen-Lehrplan erstellen.
Ein Jahr, das zu dir passt
Das Schöne an einem hexischen Jahresplan ist, dass er dir Struktur gibt und trotzdem Platz für Intuition lässt. Du brauchst nicht jedes Jahreskreisfest mit einem großen Ritual zu feiern. Du brauchst auch nicht jede Mondphase perfekt zu verfolgen. Es genügt, wenn du einen Rhythmus findest, der dich nährt und der sich lebendig anfühlt.
Wenn du dein Jahr mit dem Jahreskreis, den Tierkreiszeiten und den Mondphasen verbindest, wirst du die Natur, deine Praxis und dich selbst spürbar näher erleben. Das braucht Zeit, Monat für Monat.
Welchen der drei Rhythmen nimmst du als Erstes in deinen Kalender: den Jahreskreis, die Tierkreiszeiten oder den Mond? Schreib es mir gern in die Kommentare, und erzähl mir, welches Fest dir im kommenden Jahr am wichtigsten ist.









