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Es gibt diese Art von Hexenbuch, die dick und schief ist, aus dem Zettel und Bänder herausragen. In dem eine gepresste Blüte neben einer Quittung klebt und einer Notiz, die du mit Bleistift um drei Uhr nachts geschrieben hast.
Nichts daran ist ordentlich. Und genau das macht es so schön.
Ein Junk Journal Grimoire ist keine saubere Kalligrafie-Kladde. Es ist ein Begleitbuch, das mit deiner Praxis mitwächst. Wenn du dich vor dem leeren, perfekten Grimoire gefürchtet hast, ist das hier womöglich genau das, was du suchst.

Was ein Junk Journal Grimoire ist
Ein Junk Journal Grimoire ist eine Mischung aus drei Dingen. Aus Scrapbook, aus persönlichem Hexenbuch und aus spirituellem Tagebuch. Es sammelt nicht nur Wissen, sondern auch Erinnerungen, Ideen und deine eigene Entwicklung.
Der Unterschied zum klassischen Grimoire liegt im Anspruch. Ein klassisches Grimoire wirkt oft feierlich und makellos. Ein Junk Journal darf voll, schief und lebendig sein.
Statt perfekter Seiten finden hier Fundstücke ihren Platz. Ein gepresstes Blatt vom Herbstspaziergang. Der Anhänger deines Lieblingstees. Eine Eintrittskarte, eine spontane Ritualidee, ein Foto. Alles darf Teil deiner spirituellen Geschichte werden.
Das Wort Junk meint hier keinen Müll. Es meint das scheinbar Wertlose, das erst durch dich Bedeutung bekommt. Die Verpackung, die zu schön zum Wegwerfen war. Der Kassenzettel von dem Tag, an dem etwas Wichtiges passiert ist. In deinem Journal wird daraus ein Stück gelebte Praxis.
Warum sich ein Junk Journal als Grimoire eignet
Ein klassisches Hexenbuch schüchtert viele ein. Die erste weiße Seite fühlt sich an wie eine Prüfung. Ein Junk Journal nimmt genau diesen Druck weg.
Es ist flexibel. Es ist fehlerfreundlich. Und lässt sich endlos erweitern. Wenn eine Seite misslingt, klebst du etwas darüber und machst weiter. Kein Radiergummi, kein neuer Anlauf, kein schlechtes Gewissen. Der Fehler wird Teil der Seite, und oft ist genau er später das Schönste daran.
Und es sammelt mehr als Wissen. Es hält deine Erfahrungen fest, deine Erinnerungen, die Spuren deiner Feste und Rituale.
Ein klassisches Grimoire ist oft ein Nachschlagewerk. Ein Junk Journal Grimoire ist beides, Nachschlagewerk und Tagebuch. In einem Jahr blätterst du zurück und siehst nicht nur, was du gelernt hast, sondern auch, wer du in dieser Zeit warst. Das ist ein Geschenk, das eine saubere, gleichförmige Kladde so nicht geben kann.
Das kann alles hineinwandern:
- gepresste Blätter und Blüten
- Eintrittskarten und Quittungen besonderer Tage
- Teebeutel-Anhänger
- kleine Zeichnungen und Fotos
- spontane Ritualideen
- Notizzettel, die du sonst wegwerfen würdest
Welche Stimmung soll dein Journal haben?
Bevor du das erste Blatt einklebst, hilft eine kleine Entscheidung. Welche Stimmung soll dein Buch tragen? Das ist kein Muss. Aber es gibt dir einen roten Faden, wenn du später vor einer leeren Seite sitzt.
Ein paar Richtungen, damit du ein Gefühl bekommst:
- Natürlich und botanisch: Braun- und Grüntöne, Packpapier, gepresste Pflanzen, Kräuter. Für alle, die draußen zu Hause sind.
- Vintage: alte Buchseiten, vergilbtes Papier, Spitze, gedeckte Farben. Wirkt wie ein Fund vom Dachboden.
- Himmlisch: Mondphasen, Sterne, Silber und tiefes Blau. Für die Arbeit mit Astrologie und Mond.
- Dunkel und mystisch: Schwarz, Bordeaux, Sigillen, Schattenarbeit. Für die stillen Monate im Jahr.
- Verspielt: viele Farben, Sticker, Washi Tape, kein Plan, viel Freude.
Du musst dich nicht für immer festlegen. Viele Journals wechseln die Stimmung, sobald sich die eigene Praxis verschiebt. Genau das dürfen sie.

Was du dafür brauchst
Du brauchst weniger, als du denkst. Der Rest kommt mit der Zeit dazu.
Grundausstattung:
- ein Notizbuch oder ein selbst gebundenes Journal
- verschiedene Papiere: alte Buchseiten, Packpapier, Druckerpapier, Scrapbookpapier
- Briefumschläge
- Kleber und eine Schere
- Stifte
Ein schlichtes Notizbuch mit festem Einband hält jahrelang und ist der unkomplizierteste Start. Hier findest du mein Lieblings Notizbuch mit festem Einband*
Optional, wenn du magst:
- Washi Tape, Stempel, Sticker
- Spitze, Bänder, Stoffreste
- Knöpfe, alte Etiketten
Ein kleines Set Washi Tape bringt schnell Farbe auf die Seiten und klebt gleichzeitig deine Fundstücke fest. Hier findest du eins meiner Favoriten Washi-Tape-Set*
Die spirituellen Extras, die aus dem Journal ein Grimoire machen:
- Kräuterproben in kleinen Umschlägen
- gepresste Blumen und Naturfundstücke
- Sigillen, astrologische Symbole, Korrespondenztabellen
- Mondphasen und Jahreskreisfeste
- Tarot- oder Orakelkarten, Talismane, Samenpäckchen
Für die gepressten Blüten lohnt sich eine kleine Blütenpresse, dann zerbröseln sie später nicht zwischen den Seiten. Ich liebe diese Blütenpresse*
In zehn Schritten zu deinem Junk Journal Grimoire
Lass dich von der Zahl nicht schrecken. Du musst nicht alles auf einmal machen. Nimm dir Schritt eins vor, der Rest ergibt sich.
Schritt 1: Das Journal auswählen.
Du hast drei Wege. Ein vorhandenes Notizbuch ist der schnellste Einstieg, du legst noch heute los. Ein Ringbuch oder Disc-Bound lässt sich später umsortieren, gut, wenn du gern umräumst und Seiten tauschst. Ein selbst gebundenes Journal ist mehr Bastelarbeit, dafür ganz deins bis zur letzten Naht. Wenn du unsicher bist, nimm für den Anfang ein Ringbuch. Es verzeiht am meisten, weil du nichts falsch heften kannst.
Schritt 2: Thema und Stimmung festlegen.
Worum soll es gehen? Mondmagie, Hexenküche, Jahreskreis, Pflanzen, Astrologie oder ein Grimoire für alles. Ein Thema ist kein Zaun. Es ist eher ein Startpunkt, von dem aus dein Buch in alle Richtungen wachsen darf. Die passende Stimmung dazu hast du dir oben schon überlegt, und beides zusammen macht die Gestaltung später viel leichter.
Schritt 3: Material sammeln.
Jetzt beginnt das Sammeln. Alte Umschläge, Tickets, schöne Verpackungen, Buchseiten, Bänder, Stoffreste, Papierfetzen, deine ersten Aquarellversuche. Du kannst auch fertige digitale Junk-Journal-Kits nutzen und sie ausdrucken. Leg dir am besten eine Schuhschachtel oder einen Umschlag an, in den alles wandert, was dir unterkommt. Dann hast du an einem verregneten Sonntag genug Material, um sofort loszulegen, statt erst suchen zu müssen.
Schritt 4: Seiten erstellen.
Wenn du selbst bindest, faltest du mehrere Papiere ineinander und heftest sie zu kleinen Heften zusammen, den sogenannten Signaturen. Mischst du dabei verschiedene Papiersorten, bekommt das Journal von allein diesen vollen, gewachsenen Look. Wer nicht nähen mag, nimmt ein Ringbuch und spart sich diesen Schritt ganz.

Schritt 5: Taschen und Verstecke einbauen.
Das ist das Herz eines Junk Journals. Briefumschläge, Taschen, Klappen, ausklappbare Seiten, Einsteckkarten. Darin bewahrst du kleine Erinnerungen und aufgeschriebene Rituale auf. Eine Tasche für Zettel mit Wünschen, eine für gezogene Tarotkarten, eine für gepresste Blüten. So wird das Blättern selbst zu einer kleinen Schatzsuche.
Schritt 6: Eine schlichte Struktur schaffen.
Damit du dich zurechtfindest, hilft ein Inhaltsverzeichnis, ein Index oder ein Themenregister. Halt die Struktur klein. Sie soll dir dienen, nicht dich beschäftigen.
Schritt 7: Wiederkehrende Seiten gestalten.
Dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.
Schritt 8: Alltag und Magie verbinden.
Hier wird dein Journal einzigartig. Neben Korrespondenzen kleben Teebeutel-Etiketten, neben einer Sigille ein Pinterest-Ausdruck, neben einem Ritual eine gepresste Pflanze. So mischt sich dein Tag mit deiner Praxis.
Schritt 9: Orientierung schaffen.
Junk Journals werden schnell dick. Register, Washi-Tabs am Seitenrand und Farbcodes helfen dir, Inhalte wiederzufinden.
Schritt 10: Das Journal einweihen.
Halt es schlicht. Nimm das Journal in beide Hände, atme dreimal tief, sprich einen kurzen Segensspruch. Etwas wie: Dieses Buch wächst mit mir und hält, was mir wichtig ist. Und dann gestalte sofort die erste Seite. Der erste Eintrag nimmt die Angst vor dem perfekten Anfang. Warte nicht auf den richtigen Moment, denn der richtige Moment ist der, in dem du beginnst.
Wiederkehrende Seiten, die sich lohnen
Ein paar Bereiche kommen in fast jedem Junk Journal Grimoire immer wieder vor. Sie geben dir Halt zwischen all den losen Fundstücken.
Korrespondenzen. Listen zu Farben, Kräutern, Planeten, Sternzeichen und Mondphasen. Wenn du Ideen für solche Seiten suchst, findest du viele im Artikel zu Grimoire-Listen.
Zyklische Magie. Mondphasen, Jahreskreis, Monatsrituale, die Wechsel der Jahreszeiten. Ein Mondtagebuch passt gut dazu, und wie du eins anlegst, zeige ich dir im Mondtagebuch-Artikel.
Erfahrung und Praxis. Rituale und was sie bewirkt haben. Zauberrezepte. Ein Tarot-Tagebuch. Ein Traumtagebuch.
Diese Seiten machen aus deinem Scrapbook ein echtes Nachschlagewerk. Wie du ein vollständiges Grimoire aufbaust, liest du im Leitfaden zum Grimoire anlegen.
Eine erste Doppelseite zum Nachmachen
Manchmal ist der schwerste Teil der Anfang. Deshalb hier ein Vorschlag für deine allererste Doppelseite. Du kannst ihn eins zu eins übernehmen.
Linke Seite: Kleb ein Stück Packpapier als Hintergrund auf. Darauf oben das aktuelle Datum und die Mondphase. Darunter eine Frage, die dich gerade beschäftigt, mit der Hand geschrieben. In die untere Ecke ein kleiner Briefumschlag, in den du einen Zettel mit einem Wunsch für diesen Mond legst.
Rechte Seite: Ein Foto oder eine gepresste Blüte, die zu deiner Woche passt. Daneben drei Zeilen: Was war schön, was war schwer, was nehme ich mit. Ein Stück Washi Tape am Rand als Griff zum Wiederfinden.
Fertig ist deine erste Seite. Nicht perfekt, aber ehrlich. Und genau so soll es sein. Beim nächsten Mal fällt es dir leichter, weil die weiße Angst dann schon hinter dir liegt.

Ideen, wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst
An manchen Tagen willst du gestalten und weißt nicht, was. Hier ein paar Anker.
Tägliche Seiten: deine Tageskarte, ein Dankbarkeitseintrag, ein kleiner Schutzspruch, ein spiritueller Gedanke, der dir gerade kommt.
Lernseiten: Mondphasen, Astrologie, Jahreskreis, Pflanzenwissen, Krafttiere, Symbole. Immer dann, wenn du etwas gelernt hast, das du behalten willst.
Kreative Seiten: Collagen, Sigillen, Aquarellhintergründe, kleine Faltbücher, Moodboards für eine Saison.
Digital oder auf Papier?
Diese Frage kommt oft. Und die ehrliche Antwort ist: Beides hat seinen Platz.
Ein Junk Journal lebt vom Anfassen. Vom rauen Papier, vom Duft alter Buchseiten, von der gepressten Blüte unter den Fingern. Diesen Teil kann kein Bildschirm ersetzen. Wenn dich gerade das anzieht, fang auf Papier an.
Digital hat andere Stärken. Auf dem Tablet lassen sich Seiten verschieben, Vorlagen wiederverwenden, Fehler ohne Kleberreste löschen. Viele nutzen beides nebeneinander. Das Papierbuch für Fundstücke und Rituale, die App für Korrespondenztabellen und Listen, die sich oft ändern.
Du musst dich nicht entscheiden. Fang mit dem an, was gerade greifbar ist, und schau, wohin es dich zieht.
Wie dein Journal lebendig bleibt
Hier kommt der Satz, der alles leichter macht. Du musst nicht alles dokumentieren. Nur das, was für dich Bedeutung hat.
Deine Praxis verändert sich, und dein Journal darf sich mitverändern. Leere Seiten sind kein Versäumnis. Sie sind Platz für das, was noch kommt.
Ein ruhiger Rhythmus reicht völlig. Eine Collage im Monat. Ein neues Ritual, wenn du eins ausprobiert hast. Eine neue Wissensseite, wenn du etwas gelernt hast, das dir wirklich hilft.
Gerade in stillen Zeiten, in denen die Praxis pausiert, darf auch das Journal ruhen. Es läuft dir nicht weg. Wenn die Lust zurückkommt, liegt es da und wartet auf die nächste Seite. Ein Junk Journal misst nicht, wie fleißig du warst. Es hält nur, was war.
Ein Hinweis zu einem häufigen Irrtum
Vielleicht hast du gehört, dass ein richtiges Grimoire schön sein muss. Handgeschrieben, kunstvoll, jede Seite ein kleines Werk. Das ist eine wunderschöne Vorstellung. Und sie hält unzählige Frauen davon ab, überhaupt zu beginnen.
Ein Junk Journal Grimoire dreht diese Regel um. Der Fleck gehört dazu. Die schiefe Klebekante gehört dazu. Die Seite, die du später überklebst, gehört dazu.
Der Wert dieses Buches liegt nicht in seiner Schönheit. Er liegt darin, dass es deins ist und dass es lebt. Ein perfektes Grimoire im Schrank nützt dir weniger als ein volles, unordentliches, das du wirklich benutzt.
Und noch etwas nimmt der Druck weg. Niemand außer dir muss dieses Buch je sehen. Es gibt keine Jury, keine Note, keinen richtigen Weg. Es gibt nur dich, deine Praxis und ein Buch, das mit dir geht.
Fazit
Dein Junk Journal Grimoire muss heute noch nicht viel sein. Ein Umschlag, eine gepresste Blüte, ein Satz. In einem Jahr ist daraus ein dickes, schiefes, volles Buch geworden, in dem deine ganze Praxis steckt. Aber das fängt heute an, mit dieser einen Seite.
Welches Fundstück aus dieser Woche würdest du als Erstes einkleben?









