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Es ist halb fünf, draußen schon dunkel, und in der Küche steht der Tee neben dem Stapel Post, den du seit November nicht angerührt hast. Du setzt dich kurz hin, nur für fünf Minuten. Und merkst, dass dein Kopf von selbst anfängt, das Jahr abzuspulen: der Januar mit seinen guten Vorsätzen, der Sommer, der so schnell vorbeiging, die eine Entscheidung im Herbst, die du immer noch nicht losgeworden bist.
Wir sind im Dezember angekommen, und dieser Monat schließt den Kreis. Im November haben wir uns mit den Schatten und mit der Ruhe beschäftigt, die man in dunklen Wochen braucht. Jetzt dreht sich der Blick. Wir schauen zurück auf das ganze Jahr, würdigen, was gewachsen ist, und schaffen Platz für das, was kommen darf.
Kein Druck, dafür perfekte Rückblicke zu schreiben. Eine Kerze, ein Notizbuch und ein ruhiger Abend reichen für den Anfang. Wir gehen dieses Jahr gemeinsam zu Ende, Woche für Woche, in deinem Tempo.

Die saisonale Einordnung des Dezembers
Der Dezember beginnt im Schützen, dem Zeichen des weiten Blicks. Am 9. Dezember steht der Neumond im Schützen, ein guter Moment, um zu fragen, wohin das kommende Jahr dich führen soll. Am Abend des 21. Dezember tritt die Sonne in den Steinbock, und genau dann liegt Yule, die Wintersonnenwende und die längste Nacht des Jahres. Und am 24. Dezember folgt der Vollmond im Krebs, an Heiligabend, mit Wärme und Zuhause im Mittelpunkt.
Die Natur ist jetzt leer geräumt. Die Bäume sind kahl, die Erde ruht, und selbst die Stadt klingt gedämpfter. Diese Stille ist ein Rahmen, kein Mangel. Alles, was im Jahr gewachsen ist, liegt jetzt im Boden und wartet.
Typisch für diese Wochen sind oft:
- der Wunsch nach Rückzug, Wärme und weniger Terminen
- ein natürliches Innehalten und Zurückblicken auf das vergangene Jahr
- mehr Bedürfnis nach Kerzen, Lichtern und warmen Farben
- eine leise Vorfreude auf einen Neubeginn, der noch nicht ganz da ist
- manchmal Wehmut, manchmal Erschöpfung, manchmal Erleichterung
Alles davon ist erlaubt. Der Dezember will nur wissen, wie es dir gerade geht.
Das Kernthema des Dezembers: Das Jahr rundet sich
Der Hexen-Lehrplan hat in diesem Jahr viele Themen berührt: Grundlagen und Intention, Grimoires, Spirit Guides, Wahrsagung, die Elemente, Mondmagie, Grenzen, kreative Magie, Kräuter, Jahreszeiten, Ahnen, Schatten und zuletzt die Ruhe. Im Dezember gibt es kein neues Thema zu lernen. Es gibt etwas anderes zu tun: zusammenfassen, würdigen, aufräumen und säen.
Der Kreis schließt sich, ohne dass etwas endet
Es heißt oft, dass ein Jahresabschluss bedeute, alles abzuhaken und mit leeren Händen ins neue Jahr zu gehen. Das ist ein verbreitetes Bild, aber es ist keine Regel. Ein Kreis hat keinen Schlusspunkt, er geht in sich selbst über. Was du in diesem Jahr gelernt hast, wandert mit dir weiter, nur in anderer Form.
Deshalb arbeiten wir in diesem Monat in drei Bewegungen:
- Das gesamte Jahr reflektieren: Was ist geschehen, und wie habe ich es erlebt?
- Wachstum würdigen: Was hat sich gezeigt, auch das Kleine, auch das Leise?
- Raum für Neues schaffen: Was darf gehen, und welche Samen lege ich in den Boden?
Jede der vier Wochen nimmt eine dieser Bewegungen auf. Die vierte Woche bringt sie zusammen.

Woche 1: Das gesamte Jahr reflektieren (1. bis 7. Dezember)
Was wir diese Woche erkunden
In dieser Woche schauen wir zurück, von Januar bis jetzt. Das klingt groß, ist aber ein ruhiger Vorgang. Du blätterst durch Kalender, Handyfotos, Notizbücher und Nachrichten, so wie man in einem alten Fotoalbum blättert. Du bewertest nichts, du erinnerst dich nur.
Wenn du den Hexen-Lehrplan im Laufe des Jahres mitverfolgt hast, liegt in deinem Grimoire schon eine Menge Material. Dann lohnt sich ein Gang durch die Seiten. Wenn nicht, ist das kein Fehler. Dein Kalender und dein Gedächtnis reichen für diesen Rückblick. Wie du ein Grimoire anlegst, findest du im Artikel Grimoire anlegen.
Eine Beobachtung vorweg: Rückblicke werden oft schief, wenn wir sie an einem einzigen Abend machen. Dann bleibt das Laute hängen, und das Leise geht verloren. Deshalb verteilen wir den Rückblick auf die ganze Woche.
Grimoire-Seite für diese Woche
Der Jahresrückblick: eine Doppelseite mit zwölf Feldern, ein Feld pro Monat, jeweils mit einem Satz oder einem Stichwort
- Der Überraschungs-Satz: was in diesem Jahr anders kam, als ich dachte
- Ein Foto oder eine kleine Zeichnung für den Monat, der mich am meisten geprägt hat
- Eine Zeile zu jedem Mondtagebuch-Eintrag oder jeder Ritualnotiz des Jahres, falls vorhanden
Ritual oder Praxis für diese Woche
Das Ritual der zwölf Kerzenmomente. Such dir für jeden Abend dieser Woche eine Kerze und zwei bis drei Monate des Jahres aus. Zünde sie an und lass die Monate in Gedanken vor dir erscheinen. Wo warst du im Februar? Was hat dich im Mai beschäftigt? Was war im Oktober schwer?
Schreib nach jeder Runde ein bis zwei Sätze auf. Am siebten Abend liest du alles noch einmal durch und unterstreichst, was dich überrascht. Falls du in dieser Woche keine Kerze anzünden magst, geh stattdessen mit einer Tasse Tee zum Fenster. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.
Ein Jahresjournal mit Platz für Rückblick und Ausblick hilft dir, diese Seiten dauerhaft zu sammeln. Ich liebe dafür besonders ein gebundenes Notizbuch mit festem Einband: Jahresjournal mit altem Maja Wissen*
Woche 2: Wachstum würdigen (8. bis 14. Dezember)
Was wir diese Woche erkunden
Der Neumond im Schützen am 9. Dezember eröffnet diese Woche. Er gibt den Anstoß, größer zu denken, und das passt, weil wir jetzt würdigen wollen, wie viel du in diesem Jahr gewachsen bist. Mehr zu diesem Neumond findest du im Artikel Neumond im Schützen.
Wachstum sieht selten aus, wie wir es erwarten. Es ist kein neuer Beruf und kein neues Haus. Es ist ein Gespräch, das du früher vermieden hättest und jetzt führst. Ein Nein, das dir leichter über die Lippen kommt. Ein Abend allein, den du dir erlaubst. Diese Dinge zählen, und sie geraten schnell in Vergessenheit.
Genau deshalb schreiben wir sie auf. Würdigen heißt, genau hinzusehen und zu sagen: Das habe ich getan. Ein Schulterklopfen ist dafür nicht nötig.
Grimoire-Seite für diese Woche
Eine Liste voller Dankbarkeit: zehn Dinge, Menschen oder Momente, für die ich in diesem Jahr dankbar bin
- Eine Liste voller Erkenntnisse: fünf Dinge, die ich in diesem Jahr über mich gelernt habe
- Eine Seite mit dem Titel „Worauf ich stolz bin», auch mit Kleinem
- Ein Platz für ein Dankeschön an mich selbst, in einem einzigen Satz
Ritual oder Praxis für diese Woche
Das Neumond-Ritual des Wachstums. Setz dich am Abend des 9. Dezember oder an einem der beiden Abende danach an einen ruhigen Platz. Zünde eine Kerze an und lies die Liste deiner Erkenntnisse laut vor. Sprich nach jeder Zeile ein leises „Danke».
Schließe mit einer einzigen Absicht für das kommende Jahr, die aus dem Wachstum dieses Jahres hervorgeht. Schreib sie auf und leg den Zettel unter einen Stein. Wenn du an diesem Abend nicht zur Ruhe kommst, schreib die Liste und lies sie am nächsten Morgen. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.

Woche 3: Yule und Raum für Neues schaffen (15. bis 21. Dezember)
Was wir diese Woche erkunden
Diese Woche führt zu Yule, der Wintersonnenwende, am 21. Dezember. Es ist die längste Nacht des Jahres, und gleichzeitig der Moment, in dem das Licht zurückkehrt. Samhain ist ein Fest des Abschieds. Yule dagegen ist ein Fest des stillen Vertrauens. Ab dieser Nacht werden die Tage wieder länger, auch wenn der Winter selbst gerade erst anfängt.
Raum für Neues schaffen bedeutet in dieser Woche etwas ganz Praktisches. Du räumst auf. Ein Schreibtisch, eine Schublade, ein Altar, ein Ordner mit alten Mails. Alles, was du in Ordnung bringst, macht ein Stück Platz für das, was im neuen Jahr kommen soll.
Das ist kein großer Frühjahrsputz. Ein einziger Platz genügt. Wähle ihn mit Bedacht und beende die Aufgabe, bevor du dich dem nächsten zuwendest. Mehr zu Yule und seinen Bräuchen findest du im Artikel zu Yule.
Grimoire-Seite für diese Woche
Eine Liste dessen, was ich aus diesem Jahr nicht mehr mitnehmen möchte
- Eine Liste dessen, was ich im neuen Jahr willkommen heißen möchte
- Symbole für Yule: Kerze, Tannenzweig, Stern, Sonne, Mistel, jeweils mit einer eigenen Notiz
- Das Datum und eine Skizze der Yule-Nacht, damit du im nächsten Jahr nachlesen kannst, wie du sie gefeiert hast
Ritual oder Praxis für diese Woche
Das Yule-Ritual des wiederkehrenden Lichts. Räum an der Yule-Nacht deinen Tisch oder Altar frei und stell eine rote oder goldene Kerze darauf, dazu einen Zweig Tanne oder Stechpalme. Mach das Deckenlicht aus. Zünde die Kerze bei Einbruch der Dunkelheit an.
Sitz einen Moment still und frag dich, welches Licht du im neuen Jahr in dein Leben holen möchtest. Sprich es laut aus, ein Satz genügt. Lass die Kerze ein Stück herunterbrennen und lösche sie dann sicher. Wenn du an diesem Abend Gäste hast oder arbeiten musst, verschiebe das Ritual auf den nächsten Abend. Die Nacht der Sonnenwende wirkt auch in den Tagen danach. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.
Ein schöner Rahmen für diesen Abend ist ein Räucherset mit Tanne oder Zimt: Räucherset- Häuschen mit Tanne Räucherkerzen*
Woche 4: Samen für das kommende Jahr (22. bis 31. Dezember)
Was wir diese Woche erkunden
In der letzten Woche säen wir. Der Boden ist kalt und ruht, und trotzdem ist jetzt der Moment, an dem die Samen für das nächste Jahr in die Erde kommen. Du legst sie noch nicht aus dem Fenster, du legst sie in deine Gedanken, in dein Grimoire, in deinen Kalender.
Am 24. Dezember steht der Vollmond im Krebs am Himmel. Er bringt Gefühle, Zuhause und Fürsorge in den Vordergrund und erinnert daran, dass auch ein neues Jahr ein Nest braucht. Mehr dazu im Artikel zum Vollmond im Krebs. Danach folgen die Rauhnächte, die zwölf Nächte zwischen den Jahren, die dir einen echten Übergang geben. Wenn du mehr über sie wissen willst, findest du alles im Artikel zu den Rauhnächten.
Wir schließen in dieser Woche auch den Kreis des Hexen-Lehrplans. Schreib einen letzten Ankerpunkt auf: deine wichtigsten Überzeugungen und Werte, deine täglichen, wöchentlichen und saisonalen Praktiken und ein Bild davon, wie sich deine Magie künftig anfühlen soll.
Grimoire-Seite für diese Woche
Samen für das kommende Jahr: fünf Wünsche oder Vorhaben, jeweils als kleines Bild oder Stichwort
- Mein Ankerpunkt: Werte, Praktiken und ein Bild für das neue Jahr
- Eine Seite für die Rauhnächte mit zwölf leeren Feldern
- Ein Satz, der dieses Jahr zusammenfasst, und ein Satz, der das nächste eröffnet
Ritual oder Praxis für diese Woche
Das Ritual der fünf Samen. Nimm fünf kleine Zettel, am besten aus Papier, das sich gut verbrennen oder vergraben lässt. Schreib auf jeden Zettel einen Wunsch oder ein Vorhaben für das neue Jahr. Wähle Dinge, die Zeit zum Wachsen brauchen.
Lege die Zettel in eine Schale mit Erde und bedecke sie leicht. Stell die Schale ans Fenster. Wenn der Boden im Frühling wieder weich ist, kannst du sie in den Garten bringen oder einen Blumentopf damit füllen. Falls du keine Erde hast, bewahre die Zettel in einer Dose auf und öffne sie im Frühjahr. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.
Der Dezember im Überblick: Termine und Zeitplan
Damit du den Monat im Kalender siehst, hier die wichtigsten Daten. Alle Zeiten gelten für Mitteleuropa.
- 1. bis 7. Dezember: Woche 1, das Jahr reflektieren
- 9. Dezember: Neumond im Schützen (Woche 2 beginnt)
- 21. Dezember, Abend: Wintersonnenwende, die Sonne tritt in den Steinbock (Yule)
- 24. Dezember: Vollmond im Krebs, 02:28 Uhr
- 25. Dezember bis 6. Januar: Rauhnächte
- 7. Januar 2027: Neumond im Steinbock, 21:24 Uhr
Wenn du merkst, dass der Dezember dir wenig Platz lässt, hast du keinen Fehler gemacht. Er ist der vollste Monat des Jahres, und viele Frauen haben zwischen Arbeit, Geschenken und Familie kaum Luft. Dafür gibt es eine Fünf-Minuten-Version.
Die Fünf-Minuten-Version des Dezembers
Nimm dir an vier Abenden fünf Minuten und beantworte je eine Frage in einem Satz. Am ersten Abend: Was war das Jahr für mich? Am zweiten: Worauf bin ich stolz? Dritter Abend: Was darf ich hinter mir lassen? Am vierten: Was möchte ich im neuen Jahr willkommen heißen?
Das sind vier Sätze. Mehr Rückblick braucht es für den Anfang nicht, und du hast am Ende trotzdem einen Kreis geschlossen.

Journaling-Impulse für den Dezember
Zu diesen Fragen kannst du den ganzen Monat zurückkehren. Such dir aus, was dich anspricht. Du brauchst nicht alle zu beantworten.
1: Wie habe ich mich in diesem Jahr verändert?
2: Worauf bin ich stolz?
3: Was möchte ich im kommenden Jahr willkommen heißen?
4: Was war der Wendepunkt dieses Jahres für mich?
5: Wofür habe ich mir in diesem Jahr zu wenig Anerkennung gegeben?
6: Was nehme ich mit, und was lasse ich hier zurück?
7: Welche Samen lege ich jetzt in den Boden?
Falls du dein Journaling regelmäßig machen möchtest, hilft dir ein Notizbuch mit Datum und festem Platz im Alltag. Meine Empfehlung dafür: Journal mit Datumsseiten und Lesebändchen*
Korrespondenzen für den Dezember
Wenn du gern mit Kräutern, Steinen und Farben arbeitest, passen diese besonders gut zu Yule und zum Jahresabschluss. Sieh sie als Angebot, nicht als Einkaufsliste.
- Kräuter: Tanne und Stechpalme für den Altar, Zimt und Nelke für Wärme, Mistel als Zeichen des zurückkehrenden Lichts, Rosmarin für Erinnerung
- Steine: Granat für inneres Feuer in der Kälte, Bergkristall für Neubeginn, Rauchquarz für festen Stand im Trubel der Feiertage
- Farben: Rot, Gold, Tiefgrün, Silber
- Symbole: die brennende Kerze, der Tannenzweig, das Rad des Jahres, der Samen in der Erde
Falls du mehr Zeit oder Neugier hast
- die vollständige Praxis der Rauhnächte mit allen zwölf Nächten
- ein größeres Ritual zur Wintersonnenwende mit Freundinnen oder Familie
- ein Vision Board für das kommende Jahr, das du in der ersten Januarwoche gestaltest
- ein Rückblick in dein Mondtagebuch, falls du eines geführt hast (wie du eins anlegst, steht im Artikel Mondtagebuch anlegen.)
- ein Blick auf die Steinbock Saison, die am 21. Dezember beginnt und den Boden für die ersten Wochen des Jahres bereitet
Alles davon ist freiwillig. Eine einzige Kerze in der längsten Nacht reicht für diesen Monat.
Gemeinsam weitermachen
Mit dem Dezember endet dieser Jahres-Lehrplan dort, wo er im Januar begonnen hat: bei dir selbst, mit einer Kerze und einem Notizbuch. Du bist einmal durch alle zwölf Monate gegangen, durch Intention und Grimoire, Spirit Guides, Wahrsagung, Elemente, Mond, Grenzen, kreative Magie, Kräuter, Jahreszeiten, Ahnen, Schatten und Ruhe. Heute geht der Weg zurück zum Licht.
Dein Grimoire trägt jetzt ein ganzes Jahr an Notizen, Fragen und kleinen Ritualen. Das ist keine abgeschlossene Sammlung. Es ist der Anfang einer Praxis, die mit dir weitergeht, Jahr für Jahr. Wenn der Neumond im Steinbock am 7. Januar kommt, kannst du den ersten Schritt ins neue Jahr setzen. Wie, steht im Artikel zum Neumond im Steinbock.
Dieser Dezember-Lehrplan verlangt weder Perfektion noch Meisterschaft. Er hat dir einen Rahmen gegeben, und du hast ihn gefüllt, auf deine Art und in deinem Tempo.
Der Dezember schließt den Kreis, und jeder Kreis trägt den nächsten Anfang schon in sich. Welcher Monat in diesem Jahr hat dich am meisten verändert? Schreib es mir in die Kommentare, ich lese jede Antwort.









