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Das Licht wird am Nachmittag golden, und morgens liegt zum ersten Mal etwas Kühles in der Luft. Die Tomaten sind reif, die Abende werden kürzer. Etwas in dir spürt die Verschiebung, noch bevor der Kalender sie bestätigt.
Im August hast du die Kräuter um dich herum kennengelernt und die erste Ernte des Jahres gefeiert. Diesen Monat weiten wir den Blick: von der einzelnen Pflanze auf den ganzen Wechsel der Jahreszeit. Im September widmen wir uns der Jahreszeitenmagie und der zweiten Ernte.
Du brauchst dafür kein Feld und keinen Erntekorb. Ein offenes Fenster, ein Spaziergang und ein ehrlicher Blick auf das, was dieses Jahr bisher gebracht hat, reichen als Anfang völlig aus.
Jahreszeitenmagie bedeutet diesen Monat nicht, ein großes Fest zu veranstalten. Sie bedeutet, den Übergang aktiv mitzugehen, statt ihn an dir vorbeiziehen zu lassen.

Die herbstliche Einordnung des September
Der September beginnt noch in der Jungfrau-Saison, die für Ordnung, Struktur und einen ehrlichen Blick auf den Alltag steht, und wechselt um den 23. September in die Waage, das Zeichen des Ausgleichs. Genau in diesem Monat liegt auch Mabon, die Herbst-Tagundnachtgleiche, der Tag, an dem Licht und Dunkelheit für einen einzigen Atemzug gleich lang sind.
Diese Gleichzeitigkeit ist kein Zufall. Der September ist der Monat, in dem sich zwei Bewegungen treffen: das Aufräumen und Sortieren der Jungfrau, und das Abwägen und Ausgleichen der Waage. Beides gehört zur zweiten Ernte des Jahres.
Typisch für diesen Monat sind oft:
- der Wunsch, Ordnung in Haushalt, Kalender oder Gedanken zu schaffen
- eine wachsende Aufmerksamkeit dafür, was in diesem Jahr wirklich gewachsen ist
- das Bedürfnis nach Ausgleich zwischen Geben und Nehmen, Arbeit und Ruhe
- eine leise Vorfreude auf die ruhigere, dunklere Jahreszeit
Genau in diesen Wochen lässt sich Jahreszeitenmagie besonders gut in den Alltag einbauen.
Das Kernthema des September: Die zweite Ernte
Ausgleich statt Abschluss
Anders als Lughnasadh im August ist Mabon kein Fest des ersten Dankens, sondern eines des Abwägens. Was hast du in diesem Jahr gegeben, und was hast du zurückbekommen? Keine Seite muss schwerer sein als die andere, aber beide verdienen einen ehrlichen Blick.
Immer wieder komme ich auf denselben Gedanken zurück: Eine Ernte ist nicht nur das, was du eingebracht hast. Sie ist auch das, was du bereit bist, loszulassen, damit im nächsten Jahr wieder Platz für Neues entsteht.
Struktur zeigt dir, was wirklich zählt. Loslassen ist genauso Teil der Ernte wie das Behalten.

Woche 1: Den Jahreszeitenwechsel wahrnehmen
Was wir diese Woche erkunden
Diese Woche beobachtest du, wie sich der Spätsommer langsam in den Herbst verwandelt. Das Licht, die Temperatur am Morgen, die Farben draußen, der Geruch der Luft.
Nimm dir Zeit, diese Veränderungen wirklich zu bemerken, statt nur mit dem Kalender zu wissen, dass der Herbst kommt. Oft zeigt der Körper den Wechsel früher an als der Kopf.
Grimoire-Seite für diese Woche
- drei Zeichen des Jahreszeitenwechsels, die dir diese Woche aufgefallen sind
- wie sich dein Antrieb und deine Stimmung im Vergleich zum August verändert haben
- eine Liste: „Was ich am Spätsommer vermissen werde»
- eine Liste: „Worauf ich mich im Herbst freue»
Was ist ein Grimoire? In meinem Blogartikel: » Was ist ein Grimoire? Bedeutung, Geschichte und wie du dein eigenes anlegst.» findet du die Antwort!
Ritual oder Praxis für diese Woche
Geh an einem Morgen früh raus, bevor der Tag beginnt, und steh eine Weile still. Spür die Temperatur der Luft auf der Haut und frag dich: Was hat sich seit dem Hochsommer verändert?
Woche 2: Mabon und der Ausgleich
Was wir diese Woche erkunden
Um den 22. oder 23. September liegt Mabon, die Herbst-Tagundnachtgleiche und das zweite Erntefest im Jahreskreis. Mehr zur Geschichte und den Ritualen dieses Festes liest du im Artikel über Mabon.
Diese Woche geht es um Ausgleich. Nicht als perfektes Gleichgewicht, sondern als ehrlicher Blick auf beide Seiten der Waage: was du gegeben hast, und was du bekommen hast.
Grimoire-Seite für diese Woche
- eine Liste: „Was ich in diesem Jahr gegeben habe»
- eine Liste: „Was ich in diesem Jahr bekommen habe»
- wo die Waage gerade schwerer auf einer Seite liegt
- ein Satz für dich, der Ausgleich in Worte fasst
Ritual oder Praxis für diese Woche
Halte eine Waage in Gedanken vor dir. Leg in die eine Hand das, was du gegeben hast, in die andere das, was du bekommen hast. Atme dreimal tief und frag dich, welche Seite mehr Aufmerksamkeit braucht, nicht sofort, aber bis zum Winter.

Woche 3: Vorräte anlegen und loslassen
Was wir diese Woche erkunden
Die zweite Ernte bedeutet auch, sich auf die dunklere Jahreszeit vorzubereiten. Früher wurde jetzt eingekocht und eingelagert. Heute kannst du dasselbe Prinzip auf dein eigenes Leben übertragen: Was möchtest du für den Winter aufheben, und was darfst du jetzt loslassen?
Räum diese Woche etwas auf, das du seit Monaten vor dir herschiebst, einen Schrank, eine Schublade, eine Liste offener Aufgaben. Aufräumen ist diesen Monat kein Nebenprojekt, sondern Teil der eigentlichen Praxis.
Grimoire-Seite für diese Woche
- was du für die dunklere Jahreszeit bewahren möchtest, konkret benannt
- was du jetzt loslassen darfst, eine Gewohnheit, ein Gedanke, eine Sache
- ein schlichtes Rezept zum Einkochen oder Haltbarmachen, das du ausprobieren möchtest
- eine Erlaubnis-Seite: „Ich darf loslassen, ohne mich zu rechtfertigen»
Ritual oder Praxis für diese Woche
Koch heute etwas ein, Marmelade, Kompott oder ein Gemüse aus der Saison. Während du einkochst, sprich leise aus, was du für die kommenden Monate bewahren möchtest. Das Einlagern selbst ist bereits das Ritual.
Woche 4: Dankbarkeit und Rückblick
Was wir diese Woche erkunden
Die letzte Woche des Monats gehört der Dankbarkeit. Nicht als große Geste, sondern als ruhiges Durchgehen dessen, was dieses Jahr bisher gebracht hat.
Nimm dir Zeit für eine erste Jahresbilanz, ganz ohne den Druck, bereits alles zu wissen. Der Dezember kommt noch. Diese Woche reicht ein ehrlicher Zwischenstand.
Grimoire-Seite für diese Woche
- „Meine Praxis im September» mit dem, was du tatsächlich tust
- deine wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Jahr
- was essenziell ist und was du nur bei Lust und Zeit machst
- ein Satz, der deine Praxis heute beschreibt
Du möchtest dein erstes Grimoire anlegen? Hier: «Grimoire anlegen: So startest du dein Hexenbuch – der komplette Leitfaden.» findest du eine Schritt-für-Schritt Anleitung-
Ritual oder Praxis für diese Woche
Zünd eine Kerze in Orange oder Kastanienbraun an. Schreib drei Sätze auf, die mit „Ich bin dankbar für…» beginnen. Lies sie dir laut vor, bevor du die Kerze löschst.

Journaling-Impulse für den September
Zu diesen Fragen kannst du den ganzen Monat zurückkehren. Such dir aus, was dich anspricht, du musst nicht alle beantworten.
- Was habe ich in diesem Jahr wirklich geerntet, nicht was ich geplant hatte?
- Wo ist meine Waage zwischen Geben und Nehmen gerade aus der Balance?
- Was darf ich jetzt loslassen, bevor der Winter kommt?
- Welche Gewohnheit möchte ich in die dunklere Jahreszeit mitnehmen?
- Wofür bin ich in diesem Herbst dankbar, auch wenn es klein ist?
Korrespondenzen für diesen Monat
Wenn du gern mit Kräutern, Steinen und Farben arbeitest, passen diese besonders gut zum Thema Jahreszeitenmagie und zweite Ernte. Sieh es als Angebot, nicht als Einkaufsliste.
- Kräuter: Salbei für das Abschließen, Zimt für Wärme in der kälter werdenden Zeit, Apfel als Frucht der zweiten Ernte
- Steine: Citrin für das Anerkennen von Ergebnissen, Rauchquarz für den Übergang, Amethyst für die Innenschau der kommenden Monate
- Farben: Kastanienbraun, Rostrot, Herbstgold, tiefes Orange
- Symbole: die Waage, fallendes Laub, die Erntekiste
Affiliate-Empfehlungen für den September
Ein paar Dinge, die diesen Monat schön begleiten. Du brauchst nichts davon, um anzufangen.
Ein ruhiges Notizbuch* für die Bestandsaufnahme. Schön, wenn die Übersichtsseiten dieses Monats einen festen Platz bekommen.
Eine Kerze in warmem Gold oder Braun*. Passend für den stillen Rückblick am Abend.
Ein Kräutertee* für die dunkler werdenden Abende. Brombeerblatt oder Apfel passen zur Jahreszeit.
Buchempfehlung. Mit der Hexe durchs Jahr – Herbst von Eckhard Freytag* verbindet die Erntefeste mit der eigenen Praxis und passt gut zum Mabon-Monat.
Falls du mehr Zeit oder Neugier hast
- die Geschichte der drei Erntefeste im Jahreskreis, Lughnasadh, Mabon und Samhain, im Vergleich
- ein kleines Einmachprojekt für die kommenden Wochen
- die astrologischen Häuser, die mit Alltag und Beziehungen zu tun haben
- ein Ritual zum Monatsende, in dem du symbolisch etwas Altes gegen etwas Neues tauschst
Alles davon ist freiwillig. Eine einzige Woche bewusst gelebt reicht für diesen Monat völlig.
Gemeinsam weitermachen
Der September hat dir gezeigt, wie sich Geben und Nehmen im Lauf eines Jahres die Waage halten. Halte fest, was du über deine eigene Ernte gelernt hast, auch wenn es nur ein Satz im Grimoire ist. Diese Sätze tragen dich durch den Rest des Jahres.
Was war deine ehrlichste Ernte in diesem Jahr, und was lässt du jetzt los?
Schreib es mir in die Kommentare, ich lese jede Antwort.









