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Das Licht fällt schräg durchs Küchenfenster und liegt als heller Streifen auf dem Tisch. Du hast die Lampe nicht angemacht, weil der Mond gerade reicht. Es ist Vollmond, und du merkst, dass du heute Abend nicht wie sonst weitermachen willst.
Für solche Abende gibt es Vollmond-Tarot-Legesysteme. Ein Legesystem ordnet die Karten so, dass jede Position eine eigene Frage beantwortet. Diese drei Legungen sind auf den Vollmond zugeschnitten: Sie fragen, was dir jetzt klar wird, was du abgeben darfst und was du in den nächsten Wochen aufbauen willst.
Du brauchst dafür kein Wissen über das Keltische Kreuz. Ein Deck, ein Notizbuch und eine halbe Stunde genügen.
Was der Vollmond im Mondzyklus bedeutet
Der Mond braucht gut 29,5 Tage vom einen Neumond zum nächsten. In dieser Zeit wächst er, wird voll und nimmt wieder ab. In der Mondmagie steht der Neumond für den Anfang, der Vollmond für die Mitte: Was du vor zwei Wochen gesät hast, zeigt sich jetzt.
Deshalb gilt der Vollmond traditionell als Zeit für Bilanz. Du siehst, was gewachsen ist, was nicht, und was du dir bisher nicht eingestehen wolltest. Mehr zur Einordnung steht im Artikel Mondphasen Bedeutung.
Ehrlich gesagt ist nicht belegt, dass der Mond deine Gefühle oder Entscheidungen beeinflusst. Der Vollmond ist ein verlässlicher Termin, der dich alle vier Wochen zum Innehalten einlädt. Das reicht, damit die Praxis wirkt. Wenn du am Neumond schon Karten gezogen hast, findest du die Gegenstücke im Artikel Neumond Tarot Legesysteme.

So bereitest du deine Vollmond-Legung vor
Die Vorbereitung ist dieselbe wie zum Neumond, nur abends statt morgens. Fünf Handgriffe reichen.
- Wähl den Abend des Vollmonds oder den davor oder danach. Der Mond sieht zwei Nächte lang fast gleich voll aus. (Mehr dazu im Abschnitt zum Mythos weiter unten.)
- Such dir einen Platz, an dem du ungestört bist, am besten mit Blick auf den Himmel oder wenigstens auf eine Kerze.
- Schreib eine Frage auf, in einem Satz, zum Beispiel: „Was soll ich in diesem Zyklus anschauen?»
- Stimm dein Deck ein, indem du es mischst, dreimal darauf klopfst oder es durch Räucherrauch führst.
- Atme zehnmal langsam aus und ein und stell beide Füße auf den Boden.
Ein Tarot-Journal hilft, weil du nach einigen Monaten siehst, welche Karten zu welchem Mond wiederkommen. Ich liebe dafür besonders ein Notizbuch mit festem Einband zum Tarot-Journal*. Wie du eine Karte liest, steht im Artikel Tarot lernen für Anfänger.
Der Vollmond und die Tierkreiszeichen
Während der Phasenzyklus 29,5 Tage dauert, läuft der Mond in etwa 27,3 Tagen durch alle zwölf Tierkreiszeichen. Pro Zeichen bleibt er rund zweieinhalb Tage. Beim Vollmond steht er immer dem Zeichen gegenüber, in dem die Sonne gerade ist. Ein Vollmond im Widder findet also statt, wenn die Sonne in der Waage steht.
Du kannst das Thema des Zeichens als Frage in deine Legung nehmen. Das ist Astrologie und kein Naturgesetz, aber es gibt deiner Frage eine Richtung. Steht der Vollmond zum Beispiel im Widder, kannst du fragen: „Wo brauche ich Mut für einen Anfang?» Im Zeichen Waage: „Welche Absprache in einer Beziehung ist reif?»
| Tierkreiszeichen | Themen für deine Legung |
|---|---|
| Widder | Unabhängigkeit, Neuanfänge, Mut, neue Aufgaben |
| Stier | Geld, Selbstwert, Besitz, Genuss, Talente |
| Zwillinge | Kommunikation, Lernen, Kontakte, Alltag im Umfeld |
| Krebs | Gefühle, Zuhause, Familie, Fürsorge, Geborgenheit |
| Löwe | Kreativer Ausdruck, Führung, Lebensfreude, Kinder |
| Jungfrau | Gesundheit, Arbeitsroutinen, Hilfsbereitschaft, Ordnung |
| Waage | Partnerschaften, Schönheit, Gleichgewicht, Absprachen |
| Skorpion | Wandel, Nähe, gemeinsames Geld, Ängste, Sehnsüchte |
| Schütze | Neues kennenlernen, Bildung, Weltbild, Reisen |
| Steinbock | Karriere, Ansehen, Tradition, Verantwortung |
| Wassermann | Neues Denken, Gruppen, Freundschaften, Eigenständigkeit |
| Fische | Spiritualität, Inspiration, Träume, Flucht aus dem Alltag |
Zu mehreren Zeichen gibt es bei Deine Mondzeit eigene Artikel: Vollmond im Widder, Vollmond im Stier, Vollmond in den Zwillingen, Vollmond im Steinbock, Vollmond im Wassermann und Vollmond in den Fischen.
Karten mit Mondbezug im Tarot
Manche Karten tragen den Mond schon im Bild. Der Mond (Nr. 18 der Großen Arkana) steht für Unsicherheit, Träume und das, was sich im Halbdunkel anders zeigt, als es ist. Die Hohepriesterin hat eine Mondsichel zu ihren Füßen und steht für Intuition und stilles Wissen. Der Stern folgt auf die Turm-Zeit und steht für Hoffnung.
Wenn eine dieser Karten in einer Vollmond-Legung erscheint, ist das ein hübsches Zusammentreffen. Es ist aber keine Garantie für etwas Besonderes. Lies sie wie jede andere Karte: Bild, Gefühl, Deutung, ein Satz.
So liest du die Karten zum Vollmond
Am Vollmond fällt es leicht, zu schnell zu deuten. Nimm dir pro Karte zwei Minuten.
Schau zuerst nur das Bild an und benenne drei Dinge, die du siehst: eine Farbe, eine Figur, einen Gegenstand. Frag dich dann, was die Karte in dir auslöst. Erleichterung, Ärger, Müdigkeit? Erst danach liest du die Deutung im Buch.
Ärgert dich eine Karte, ist das ein Hinweis. Oft zeigt sie genau die Stelle, an der du ausweichst. Schreib auf, was dich stört, und lass es bis zum nächsten Tag liegen. Du kannst auch umgekehrte Karten als eigene Position lesen, musst du aber nicht. Für den Anfang genügen aufrecht liegende Karten.
1.Licht auf das Verborgene: Erkennen, Abgeben, Integrieren
Passt, wenn du das Gefühl hast, dass etwas unter der Oberfläche liegt, das du noch nicht benennen kannst. Die Legung folgt dem Verlauf des Vollmonds: erst abgeben, dann erkennen, dann einbauen. Leg drei Karten von links nach rechts.

Karte 1, das Abgeben: Was darf ich in diesem Zyklus verabschieden? Die Karte zeigt Gefühle, Gewohnheiten oder Umstände, die dir nicht mehr passen. Es sind oft keine großen Dinge, eher ein Satz, den du dir täglich sagst.
Karte 2, das Erkennen: Was will mir dieser Vollmond zeigen? Sie steht für Wahrheiten, die im Licht des Mondes sichtbar werden. Schau besonders auf Details im Bild, die dir unangenehm auffallen. Dort liegt oft der Punkt.
Karte 3, das Einbauen: Wie baue ich das, was ich erkannt habe, in meinen Alltag ein? Sie gibt dir einen Hinweis, wie aus Einsicht eine Veränderung wird.
Ein Beispiel: Als Karte 1 liegt die Zehn der Stäbe, eine Karte für zu viel Last. Als Karte 2 erscheint der Mond, der für Unsicherheit und Täuschung steht. Als Karte 3 kommt die Mäßigkeit, die Ausgleich bedeutet. Zusammen kann das heißen: Du trägst zu viel, weil du unsicher bist, was du ablehnen darfst. Der nächste Schritt wäre, deine Aufgaben mit Maß zu verteilen.
2. Der Wegweiser des Vollmonds: Thema, Abgeben, Annehmen
Passt, wenn du nicht weißt, worum es in diesem Zyklus gehen soll. Die erste Karte nennt das Thema, danach folgen Abschied und Neubeginn. Leg drei Karten als Reihe.

Karte 1, das Mondthema: Welches Thema bringt dieser Vollmond in mein Leben? Die Karte gibt den Ton für die nächsten zwei Wochen vor. Lies sie wie eine Überschrift.
Karte 2, abgeben und erneuern: Wo in meinem Leben braucht es einen Abschied oder einen Neubeginn? Sie zeigt Gewohnheiten, Gedanken, Beziehungen oder Situationen, bei denen sich etwas verändern darf.
Karte 3, annehmen: Was darf ich in diesem Zyklus willkommen heißen? Hier erscheinen Chancen, Menschen oder Umstände, die dich unterstützen. Achte in den Tagen danach auf Zufälle, die dazu passen.
Ein Beispiel: Als Mondthema liegt die Kraft, eine Karte für Mut ohne Gewalt. Als Abschied erscheint der Eremit, der Rückzug bedeutet. Als Annehmen kommt der Stern, der Hoffnung bedeutet. Das kann heißen: Dieser Zyklus braucht einen sanften Mut. Zieh dich zurück, wo du Ruhe brauchst, und nimm Zuversicht an.
3. Abgeben und Erneuern: Vier Karten für den Abschied
Passt, wenn du etwas beenden und danach neu anfangen willst, das du lange mitgeschleppt hast, etwa eine Gewohnheit, eine Aufgabe oder eine Phase. Leg vier Karten in ein Quadrat oder eine Reihe.

Karte 1, das Abgeben: Was dient mir nicht mehr und darf gehen? Sie zeigt Glaubenssätze, Gewohnheiten, Gefühle oder Umstände, die du loswerden kannst.
Karte 2, die Erneuerung: Was tritt an die Stelle des Alten? Sie nennt eine Möglichkeit oder Entwicklung, die entsteht, wenn du Platz machst.
Karte 3, das Einbauen: Wie baue ich Abschied und Neubeginn in meinen Alltag ein? Sie zeigt, was du konkret tun kannst, damit es nicht bei einer Idee bleibt. Oft ist es etwas Kleines, das du jeden Tag wiederholst.
Karte 4, die Absicht: Welche Absicht hilft mir im nächsten Zyklus am meisten? Sie bündelt deinen Fokus bis zum nächsten Neumond. Daraus kannst du am Neumond eine neue Absicht formulieren.
Ein Beispiel: Als Karte 1 liegt die Acht der Kelche, ein Weggehen von etwas, das nicht mehr erfüllt. Als Karte 2 erscheint das Ass der Kelche, ein neuer Zugang zu Gefühlen. Das kann heißen: Du darfst gehen, und danach wartet etwas Warmes.
Der Zwei-Wochen-Check mit deiner Neumond-Absicht
Der Vollmond liegt etwa zwei Wochen nach dem Neumond. Wenn du damals eine Absicht aufgeschrieben hast, hol sie heute Abend hervor, bevor du Karten ziehst.
Frag dich vier Dinge. Habe ich getan, was ich aufgeschrieben habe? Wenn nicht, was hat mich gehindert? Wenn ja, was hat es verändert? Und gilt die Absicht noch?
Du musst nichts bewerten. Streich eine Absicht, die nicht mehr zu dir passt, ohne Schuldgefühl. Behalte eine, die noch trägt, und schreib den nächsten Schritt darunter. Die Legung hilft dir anschließend, den Rest zu sortieren.
Welche Legung passt zu dir?
| Deine Lage | Passende Legung |
|---|---|
| Du spürst, dass etwas im Verborgenen liegt. | 1. Licht auf das Verborgene |
| Du hast keine Frage und suchst ein Thema. | 2. Der Wegweiser des Vollmonds |
| Du willst etwas beenden. | 3. Abgeben und Erneuern |
| Du bist am Anfang mit Tarot. | 1 oder 2, jeweils drei Karten |
Eine Abschlusskarte und ein Platz für den Abend
Wenn dir nach der Legung etwas fehlt, zieh eine vierte oder fünfte Karte als Abschluss. Frag sie: „Was soll ich heute Nacht mitnehmen?» Sie ist ein Satz für den Weg ins Bett und keine neue Aufgabe.
Zum Vollmond passt ein kleiner Platz auf der Fensterbank oder dem Tisch. Eine weiße oder silberne Kerze, ein Glas Wasser, ein Mondstein oder Selenit und dein Notizbuch genügen. Welche Steine du für die Mondarbeit nehmen kannst, steht im Artikel Heilsteine und Kristalle.
Wenn Wolken den Mond verdecken, ändert das nichts. Der Mond ist trotzdem voll, und du musst ihn nicht sehen, um die Legung zu ziehen.
Ein Hinweis zum Zeitpunkt
Du hast gelesen, dass die Legung genau um Mitternacht oder im exakten Moment des Vollmonds stattfinden muss. Das ist eine hübsche Vorstellung. Eine Regel ist es nicht. Der Mond wirkt zwei Nächte lang fast gleich voll, und bei Wolken sieht man ihn ohnehin nicht.
Wähl den Abend, an dem du ungestört bist. Eine Legung bei Neumondlicht in der Küche ist mehr wert als eine perfekt getimte, bei der du nach zehn Minuten die Wäsche aufhängst.
Nach der Legung: Ein kleines Abschiedsritual
Schreib auf einen Zettel, was du abgeben willst. Ein Satz genügt. Dann hast du zwei Möglichkeiten:
- Du verbrennst den Zettel in einer feuerfesten Schale. Stell die Schale auf eine nicht brennbare Unterlage und halte Wasser bereit [Affiliate-Link: feuerfeste Räucherschale].
- Du zerreißt ihn und wirfst ihn in den Müll, ohne Zeremonie, aber mit Absicht.
Beide Wege funktionieren, weil es um den Moment geht, in dem du die Entscheidung triffst. Mehr Ideen für das Abgeben findest du im Artikel Vollmond-Check-in zum Abgeben und im Vollmond Ritual.
Fünf Schreibimpulse für nach der Legung
- Welche Karte hat mich am meisten überrascht, und warum?
- Wo habe ich in den letzten zwei Wochen etwas gesät, das jetzt sichtbar wird?
- Was fällt mir jetzt leichter als vor einem Monat?
- Was möchte ich bis zum nächsten Neumond ausprobieren?
- Wofür bin ich heute Abend dankbar?
Wenn du noch keinen Ort für diese Notizen hast, hilft ein Mondtagebuch. Mein Mondkalender 2027 zeigt dir die Termine bis zum nächsten Vollmond.
Fazit
Der Vollmond erinnert dich nicht daran, dass etwas passieren muss. Er zeigt dir, was schon passiert ist, und lädt dich ein, einen Schritt daraus zu machen.
Welche der drei Legungen möchtest du zum nächsten Vollmond ausprobieren, und welche Frage steht schon in deinem Kopf? Schreib es mir in die Kommentare, ich freue mich darauf. Und wenn du zu jedem Neumond und Vollmond eine Einladung zum Ausprobieren im Postfach haben möchtest, ist der Mondbrief dafür da.









