Juli-Lehrplan: Grenzen setzen und deine Kraft

Juli To Do Liste: Grenzen setzen und deine innere Kraft

Es ist der Monat, in dem die Sonne am längsten am Himmel steht und trotzdem das Gefühl aufkommt, man komme zu nichts. Termine, Familie, Garten, ein voller Posteingang. Und irgendwo dazwischen die leise Frage: Wo bin eigentlich ich in all dem?

Im Juni haben wir die vier Elemente kennengelernt und gespürt, wie sie sich im Alltag zeigen. Erde, Luft, Feuer, Wasser, und der Boden unter deinen Füßen. Diesen Monat geht es um etwas Persönlicheres. Es geht um deine Kraft, und um die Linie, an der du aufhörst und jemand anderes anfängt.

Kein großes Programm. Eher ein Sommer, in dem du übst, dich selbst nicht zu verlieren. Vier Wochen, vier kleine Schritte, und am Ende ein klareres Gefühl davon, wo dein Platz ist.

Monat Juli auf einen Blick

Die sommerliche Einordnung des Juli

Der Juli ist Hochsommer. Die Tage sind warm, oft träge, und doch passiert draußen unglaublich viel. Pflanzen tragen ihre erste Frucht. Die Felder beginnen, sich zu färben. Es ist die Zeit zwischen Litha, der Sommersonnenwende Ende Juni, und Lughnasadh Anfang August, dem ersten Erntefest im Jahreskreis.

Diese Stelle im Jahr erzählt etwas Wichtiges. Wachstum hat eine Grenze. Auch ein Sommer kann zu voll werden, und irgendwann kippt Fülle in Erschöpfung, wenn niemand sie hält.

Im Tierkreis bewegen wir uns von der weichen, nach innen gewandten Krebs-Zeit hinüber in den Löwen. Vielleicht spürst du das im Lauf des Monats an dir selbst. Erst der Wunsch nach Rückzug, nach Zuhause, nach Ruhe. Später ein mutigeres, wärmeres Gefühl, gesehen werden zu wollen und den eigenen Platz einzunehmen.

Typisch für diesen Monat sind oft:

  • das Bedürfnis, weniger zu tun, und das schlechte Gewissen, das gleich hinterherkommt
  • mehr Reizbarkeit bei Hitze und vollen Tagen
  • der Wunsch, den eigenen Raum wieder klarer zu spüren
  • eine leise Müdigkeit, die nichts mit Schlafmangel zu tun hat

Du musst nichts davon wegmachen. Diese Woche reicht es, zu bemerken, was der Sommer mit dir macht.

Das Kernthema des Juli: Kraft und Grenzen

Wir reden viel über Kraft. Selten darüber, dass sie eine Grenze braucht, um nicht zu zerfließen.

Kraft heißt nicht, dass du immer mehr schaffst. Kraft heißt, dass du weißt, wo dein Ja aufhört und dein Nein beginnt. Eine Frau, die ständig verfügbar ist, ist nicht kraftvoll. Sie ist erschöpft, und meistens merkt sie es erst, wenn nichts mehr geht.

Dieser Monat lädt dich ein, beides zu beobachten. Wann du dich stark und ruhig fühlst. Und wann dir mitten am Tag plötzlich die Kraft abhandenkommt, obwohl äußerlich gar nicht so viel passiert ist.

Kraft ist nicht dasselbe wie Kontrolle

Das ist der Gedanke, der den ganzen Monat trägt.

Kontrolle will, dass andere sich anders verhalten. Sie greift nach dem, was nicht in deiner Hand liegt, nach der Meinung der Schwiegermutter, nach dem Ausgang eines Gesprächs, nach der Stimmung im Raum. Kraft dagegen bleibt bei dir. Sie sagt nicht „du musst dich ändern», sondern „das hier ist meine Grenze, und ich halte sie».

Vielleicht hast du gehört, dass spirituelle Menschen immer offen, immer mitfühlend, immer „im Fluss» sein sollten. Dass ein Nein irgendwie egoistisch sei. Das ist eine schöne Idee, und sie stimmt nicht. Ein Nein ist genauso spirituell wie ein Ja, manchmal sogar mehr. Denn ein Nein schützt das, was dir heilig ist.

Den ganzen Juli üben wir das in kleinen Schritten. Eine Woche nach der anderen, ohne Druck, ohne dass du dein Leben umkrempeln musst.

Deine Kraft, und der Unterschied zur Kontrolle

Woche 1: Deine Kraft, und der Unterschied zur Kontrolle

Was wir diese Woche erkunden

Diese Woche schauen wir, wo du dich wirklich kraftvoll fühlst. Nicht laut, nicht durchsetzungsstark, sondern ruhig und sicher. Oft sind das ganz unscheinbare Momente.

Beim Kochen, wenn deine Hände wissen, was sie tun. Beim Schreiben. Wenn du jemandem zuhörst und genau spürst, was zu sagen ist. Diese Momente sind deine Kraftquellen, und die meisten von uns übersehen sie, weil sie so selbstverständlich wirken.

Und dann die andere Seite. Die Momente, in denen du etwas festhalten willst, das dir nicht gehört. Das Verhalten eines anderen Menschen. Wie eine Sache ausgeht. Was jemand über dich denkt. Diese Woche darfst du zum ersten Mal bewusst auseinanderhalten, was bei dir liegt, und was du getrost loslassen darfst. Das ist keine Schwäche. Es ist der Anfang von echter Kraft.

Grimoire-Seite für diese Woche

  • „Wo ich mich kraftvoll fühle» mit drei bis fünf konkreten Situationen aus deinem Alltag
  • eine Doppelseite: links „Was bei mir liegt», rechts „Was nicht in meiner Hand ist»
  • drei Momente dieser Woche, in denen du Kraft mit Kontrolle verwechselt hast
  • ein Satz, der sich für dich nach echter Kraft anfühlt, in deinen eigenen Worten

Falls du noch kein Grimoire hast, in diesem Artikel kannst du mehr erfahren:» Grimoire anlegen: So startest du dein Hexenbuch – der komplette Leitfaden.»

Ritual oder Praxis für diese Woche

Die zwei Hände. Setz dich an einen ruhigen Ort und halte beide Handflächen nach oben. Stell dir vor, in der einen Hand liegt etwas, das wirklich dir gehört. Deine Worte, deine Entscheidung, dein nächster Schritt. In der anderen Hand liegt etwas, das du gern kontrollieren würdest, das aber nicht dir gehört. Atme einmal tief durch und dreh die zweite Hand langsam um, sodass das, was nicht deins ist, zu Boden fällt.

Wenn dir das zu abstrakt ist, schreib stattdessen zwei Zettel und leg den zweiten bewusst aus der Hand, in eine Schublade, weg vom Schreibtisch. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.

Woche 2: Wo du aufhörst und jemand anderes anfängt

Was wir diese Woche erkunden

Eine Grenze ist nichts Hartes. Sie ist eher das Wissen, wo du endest und wo das Leben eines anderen Menschen beginnt. Diese Woche übst du, das im Körper zu bemerken, lange bevor der Kopf es versteht.

Dein Körper sagt dir ständig, wann es zu viel wird. Ein enger Brustkorb. Schultern, die nach oben zu den Ohren wandern. Dieses dumpfe, ausgelaugte Gefühl nach einem Treffen, nach dem du eigentlich gut gelaunt sein solltest, es aber nicht bist.

Wir tun oft so, als wäre das nichts. Wir trinken einen Kaffee, machen weiter, schieben es auf das Wetter. Diese Woche hörst du stattdessen hin. Du sammelst die kleinen Signale, mit denen dein Körper „ich gehe gerade über meine Grenze» flüstert, bevor er es irgendwann laut sagen muss, mit Kopfschmerzen oder einem Infekt.

Grimoire-Seite für diese Woche

  • „Anzeichen, dass ich über meine Grenze gehe» mit deinen ganz persönlichen Körpersignalen
  • Menschen, Orte oder Situationen, nach denen du dich müde und leer fühlst
  • Menschen, Orte oder Situationen, nach denen du dich genährt und wach fühlst
  • eine Liste: „Was mir hilft, wieder zu mir zu kommen»

Ritual oder Praxis für diese Woche

Der Körper-Check am Abend. Nimm dir abends zwei Minuten und geh in Gedanken durch deinen Tag. An welcher Stelle hat sich dein Körper zusammengezogen? Wann ist dir die Kraft abhandengekommen, obwohl gar nicht viel passiert ist? Leg eine Hand auf die Stelle, die sich heute eng angefühlt hat, oft ist es der Bauch oder die Brust, und atme zwei, drei Mal bewusst dorthin.

Wenn du abends zu müde dafür bist, mach es morgens als Rückblick auf gestern. Es geht nicht um Analyse. Es geht darum, deinem Körper wieder zuzuhören. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.

Juli Affirmation für den Sommer

Woche 3: Nein sagen als Praxis

Was wir diese Woche erkunden

Nein ist ein vollständiger Satz. Trotzdem hängen wir oft drei Entschuldigungen daran, eine lange Begründung und am Ende doch ein halbes Ja. Diese Woche übst du das kleine, freundliche, klare Nein.

Du musst nicht hart werden, um Grenzen zu haben. Ein Nein darf warm sein. „Das geht bei mir gerade nicht» ist genug, ganz ohne Rechtfertigung. Du schuldest niemandem eine Erklärung dafür, dass du auf dich achtest.

Vielleicht merkst du dabei, dass dir ein Nein gegenüber manchen Menschen leichter fällt als gegenüber anderen. Bei der Kollegin geht es, bei der Mutter nicht. Das ist eine wertvolle Spur. Sie zeigt dir, wo deine Grenze noch dünn ist und Schutz braucht, und wo alte Muster aus deiner Kindheit noch mitreden.

Grimoire-Seite für diese Woche

  • drei Sätze, mit denen du Nein sagen kannst, ohne dich zu rechtfertigen
  • eine Doppelseite: „Wozu sage ich dieses Jahr Ja» und „Wozu sage ich Nein»
  • eine Situation, in der du diese Woche Nein gesagt hast, und wie es sich danach anfühlte
  • alte Glaubenssätze übers Nein sagen, die du von früher mitträgst, etwa „ich bin nur lieb, wenn ich verfügbar bin»

Ritual oder Praxis für diese Woche

Das geübte Nein. Such dir einen Satz aus, der sich für dich stimmig anfühlt. Zum Beispiel: „Danke, dass du an mich denkst. Das passt für mich gerade nicht.» Sprich ihn diese Woche laut aus, erst allein vor dem Spiegel, dann einmal wirklich, im echten Leben, bei einer kleinen Sache.

Fang klein an. Eine zusätzliche Aufgabe, eine Einladung, die du nicht willst, ein Anruf, der warten kann. Du musst nicht beim Schwersten beginnen. Jedes kleine Nein macht das nächste leichter. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.

Woche 4: Schutz und Auffüllen

Was wir diese Woche erkunden

Grenzen ziehen kostet Kraft. Deshalb gehört die letzte Woche dem Gegenteil. Wir füllen wieder auf. Wir schauen, wie du dich schützt, und wie du nach einem vollen Tag wieder zu Kräften kommst.

Schutz heißt hier nichts Kompliziertes und nichts Dramatisches. Eine Kerze am Morgen, bevor das Haus wach wird. Das Handy, das beim Essen in einem anderen Raum liegt. Ein dunkler Stein in der Hosentasche, der dich daran erinnert, dass du bei dir bleiben darfst, auch wenn um dich herum viel los ist.

Diese Woche darfst du sammeln, was dir gut tut, und es genauso ernst nehmen wie einen Termin. Denn das ist es auch. Auffüllen ist keine Belohnung, die du dir verdienen musst. Es ist die Grundlage dafür, dass von dir auch morgen noch etwas da ist.

Grimoire-Seite für diese Woche

  • dein persönliches „So fülle ich mich wieder auf» mit Dingen, die heute schon gehen, nicht erst im nächsten Urlaub
  • ein kleines Schutzritual für den Morgen
  • Schutzsteine oder Pflanzen, zu denen du dich hingezogen fühlst, etwa schwarzer Turmalin oder Beifuß
  • eine Erlaubnis-Seite: „Ich darf Pause machen, ohne sie mir zu verdienen»

Falls du noch kein Grimoire hast, in diesem Artikel kannst du mehr erfahren:» Grimoire anlegen: So startest du dein Hexenbuch – der komplette Leitfaden.»

Ritual oder Praxis für diese Woche

Der Schutzkreis aus Licht. Zünde eine Kerze an und stell sie vor dich. Stell dir vor, ihr warmes Licht legt sich wie ein weicher Kreis um dich, knapp eine Armlänge entfernt. Innerhalb des Kreises bist nur du. Sag dir leise: „Was hierher gehört, darf bleiben. Was mich müde macht, bleibt draußen.»

Wenn du keine Kerze zur Hand hast, zeichne den Kreis mit dem Finger in die Luft um dich herum, oder stell dir morgens unter der Dusche vor, wie das Wasser alles abspült, was nicht zu dir gehört. Beobachte, wie du dich davor und danach fühlst.

Juli Sommer Journal Fragen

Journaling-Impulse für den Juli

Zu diesen Fragen kannst du den ganzen Monat zurückkehren. Such dir aus, was dich anspricht, du musst nicht alle beantworten.

  • Wann habe ich mich diesen Monat am stärksten und ruhigsten gefühlt?
  • Wo will ich etwas kontrollieren, das gar nicht in meiner Hand liegt?
  • Welche Menschen lassen mich nach einem Treffen müde zurück, und warum?
  • Welches Nein habe ich zu lange aufgeschoben?
  • Woran erkenne ich im Körper, dass ich über meine Grenze gegangen bin?
  • Was füllt mich wirklich auf, nicht nur für eine Stunde, sondern tief?
  • Welche Grenze von früher trage ich heute noch mit mir, obwohl sie nicht mehr zu meinem Leben passt?

Korrespondenzen für diesen Monat

Wenn du gern mit Steinen, Pflanzen und Farben arbeitest, passen diese besonders gut zum Thema Schutz und Grenzen. Sieh es als Angebot, nicht als Einkaufsliste.

  • Steine: schwarzer Turmalin für Schutz, Rauchquarz zum Loswerden von zu viel, Roter Jaspis für Standhaftigkeit
  • Pflanzen: Beifuß, Rosmarin, Brennnessel, alle drei stehen für Schutz und für das Wahren des eigenen Platzes
  • Farben: tiefes Rot, Schwarz, Gold, die Farben des Löwen und der Standhaftigkeit
  • Symbole: der Kreis, die Schwelle, die geschlossene Tür

Affiliate-Empfehlungen für den Juli

Ein paar Dinge, die diesen Monat schön begleiten. Du brauchst nichts davon, um anzufangen.

Ein neues Grimoire oder Notizbuch. Für diese Phase mag ich ein schlichtes, punktiertes Notizbuch. Nicht zu kostbar, damit du dich traust, es auch wirklich vollzuschreiben.

Hier findest du mein Lieblings Notizbuch*

Eine schlichte Kerze für den Schutzkreis. Eine einfache Stumpenkerze in Schwarz oder tiefem Rot reicht völlig. Es geht um den Moment, nicht um teures Zubehör.

Diese Kerze* nutze ich besonders gern.

Schwarzer Turmalin als Trommelstein. Klein genug für die Hosentasche. Viele Frauen mögen ihn, weil er sich erdend anfühlt, wenn ein Tag zu viel wird.

Hier findest du einen schönen Turmalin Stein*

Buchempfehlung. Grenzen setzen und endlich Nein sagen ohne Schuldgefühle ist ein warmes, undogmatisches Buch über Grenzen im Alltag. Es ist ein 21 Tage Plan für mehr Selbstvertrauen im Alltag und passt perfekt zum Monat Juli.

Falls du mehr Zeit oder Neugier hast

  • die astrologischen Häuser, die mit dem eigenen Standpunkt und mit Beziehungen zu tun haben
  • Schutzzauber und ihre Geschichte in verschiedenen Traditionen
  • der Unterschied zwischen Mitgefühl und sich selbst aufgeben
  • ein kleines Ritual zum Monatsende, in dem du eine Grenze symbolisch festlegst, etwa mit Salz oder einer gezogenen Linie

Alles davon ist freiwillig. Eine einzige Woche bewusst gelebt reicht für diesen Monat völlig.

Gemeinsam weitermachen

Der Juli hat dir gezeigt, wo du aufhörst und wo du wieder zu Kräften kommst. Halte fest, was du über dich gelernt hast, auch wenn es nur ein Satz im Grimoire ist. Diese Sätze tragen dich durch den Rest des Jahres.

Nächsten Monat wird es wärmer und freier. Im August lassen wir die Kraft, die wir hier geschützt haben, in etwas Kreatives fließen, in Schreiben, Gestalten und Spielen.

Wo fällt es dir am schwersten, Nein zu sagen? Schreib es mir in die Kommentare, ich lese jede Antwort.

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